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646 Edition der Briefe
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90 wahr[en] Freünd hättest, und die Aloysia pro¿tirte unvergleichlich. Er kommt
gewiß wenn du ihm schreibst. Es ligt alles bey dir. Gott weiß es, daß ich keine andre
Absicht, als die Kinder habe, wenn ich so antreibe. Er will auf nichts ungewisses
wart[en], gleichwie nacher Pohlen, sondern das erstere gewisse nimmt er an aus
desperation \an/, weil[en] ihm andre Grill[en] weg[en] partialitet für den Mingotti
im Kopf lieg[en], od[er] er gehet wied[er] in Engelland alsdenn Gute Nacht. Die
Costi wird künftig[en] Dienstag eine categorische Antwor[t er]halt[en], und es
ist auch nicht schön das Mingotti dieser Caronia einen [so]lch[en] herrlich[en]
accord hält, und bey dir und Jozzi so viel dif¿culteten ¿ndet. Ich muß wied[er]
umsonst zum Milord lauffen, allein Vaneschi hat mir sanctè versproch[en] meine
Sache in kurzer Zeit auszumachen. A propos wie stehest du mit Händschuh[en] für
dich, solle ich etwa nicht einige für dich mach[en] lassen. Jozzi ist Unserthalb[en]
nach Holl[and] und sagte bey seiner Abreise er wolle mit Uns auf alle Conditiones
kommen, also was du schreibest, daß wird er thun glaube mir. Es ligt alles nur bey
dir. Hier war in Zeittung[en] das die Violette den Garrick famosen Comœdiant[en]
geheürathtet, aber Niemand glaubt es, es ist vieleicht nur eine Satyre. Wir hab[en]
hier wieder 3 schwangere Gratien die alle Sängerinen. Frasi, Galli, Falkner. Ich
kan heüte unmöglich der Loysl schreib[en], sie solle Gott bit[en], daß der Jozzi
kommt. mit nechst[en] will ich ihr selbst schreiben. Ich schicke den lieb[en] Kin-
dern 1000fach[en] Segen, und den herzliebsten Eltern küsse ich die Hände, dich
aber in Gedanken Adieu liebe mich wie ich dich, ich bin dein bis in Tod getreüer
Pirker[.]
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung.
THEMENKOMMENTAR:
Thema des Briefs sind vor allem die Verhandlungen zwischen Giuseppe Jozzi
und Pietro Mingotti sowie Mariannes Bemühungen um eine Anstellung in Stutt-
gart. Franz treibt die Sorge um, Mariannes Festhalten an der Scrittura bei Mingotti
im Winter 1749/50 könnte ihre Chancen am württembergischen Hof beeinträch-
tigen. Zugleich sieht er aber in diesen Perspektiven für den Freund Jozzi die
Chance einer Einigung: Da nun Marianne nicht mehr auf den Erfolg bei Mingotti
angewiesen sei, könne sie in den sie betreffenden Konditionen zugunsten des Kas-
traten nachgeben und sich ggf. sogar für ihn in Stuttgart einsetzen.
EINZELSTELLENKOMMENTAR:
< > meinem lezten so kurz abbrechen müssen:] Brief vom 10. Juni 1749 (157).
< > denn ich habe alle 3 Brieffe:] Die Briefe vom 24. und 29. Mai 1749 (143,
146) und vom 6. Juni 1749 (152).
< > Mingotti:] Pietro Mingotti , Impresario.
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur