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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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Weder Held noch Opfer    141 ‚master narrative‘. In totalitĂ€ren Systemen ist die Koordination und Vereinheitlichung von Geschichte im sozialen GedĂ€chtnis eine zentrale Aufgabe des Staates; diese Aufgabe setzt er bekanntlich durch Bildungsinstitutionen, historische Museen, Massenmedien und politische Rituale um. Unter solchen UmstĂ€nden einer allgemeinen Ausrichtung auf eine verbindliche patriotische Version von Geschichte, wie dies etwa gegenwĂ€rtig in Russland der Fall ist, gewinnen individuelle Erinnerungen und Familiengeschichten den Status von Indizien einer ‚Gegengeschichte‘, derer sich Dissidenten in Nichtregierungsorganisationen annehmen. (Assmann 2014, 181) UnabhĂ€ngig von den unterschiedlichen offiziellen Formungsbestre bun gen in den staatlichen und gesellschaftlichen Erinnerungsdiskursen der drei natio nalen Kontexte (Sowjetunion vs. Russland vs. Ex-Jugoslawien), thematisieren alle drei Werke eine ‚von außen geformte‘ Geschichte, gegen die sie anschreiben, indem sie ihr eine oder mehrere persönlich perspektivierte ‚Gegengeschichte(n)‘ entge- genstellen. Dieses verbin den de Moment ist verantwortlich sowohl fĂŒr die sub- jektive Darstellung faktualer Grundlagen als auch fĂŒr die Vielschichtigkeit der in ihnen vorgestellten Opfer- und TĂ€ternarrative, die bestĂ€ndig ineinandergreifen und einander dadurch zugleich widerlegen. Es bildet außerdem jene Basis, auf der die gewĂ€hlten Analysekategorien zugĂ€nglich werden, und weist Körperemp- findungen, der Reflexion von Handlungsmotivationen, IdentitĂ€t und Zugehörig- keit sowie GegenĂŒberstellungen heterogener gesellschaftlicher Bewertungen von Kriegsheimkehrern ihren Platz in den Texten zu. 2 Kriegstrauma In allen drei Texten sind Kriegstraumata zunĂ€chst indirekt sehr stark prĂ€sent, denn die Figuren tragen deutliche Anzeichen posttraumatischer Belastungs- störungen; selbstgewĂ€hlte Isolation, RĂŒckzug in den geschĂŒtzten Bereich der Familie, AngstzustĂ€nde, Hilflosigkeit und Alkoholmissbrauch prĂ€gen die Dar- stellungen. Allen drei Texten ist das Anliegen eingeschrieben, die öffentlich ver- schwiegenen tatsĂ€chlichen LebensumstĂ€nde ehemaliger Kriegs teilnehmer sowie deren psychische Verfassung zu thematisieren. Alle drei Texte schildern typische Symptome von Traumatisierung, die medizinisch als „prozedurale Überlebens- programme“ beschrieben werden, die bei heftigen Emotionen in „Töten oder Getötetwerden (Kampf oder Flucht), in Kraftlosigkeit, Kollaps und Scham oder in ein GefĂŒhl der Niederlage und Hilflosigkeit“ umschlagen (Levine 2015, 76). Aus der Leere des posttraumatischen Alltags rekonstruiert Ć ehićs autobio- grafischer Text Schritt fĂŒr Schritt die Innenperspektive sympto matischer Panik- anfĂ€lle und nĂ€chtlicher Schlaflosigkeit, die sich aus der Angst vor AlptrĂ€umen speist:
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Titel
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Herausgeber
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Miloơević
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
350
Schlagwörter
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, TransnationalitÀt
Kategorie
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