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Wer hat mehr gelitten?
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Diese Anschlussfähigkeit der Geschichten ist im Falle der Konfrontation
zwischen Emigrierten und im Land Gebliebenen definitiv gegeben, denn beide
Seiten teilen mehr miteinander, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Was die
Emigrant*innen durchlebt haben, ist auch Teil der Identität jener, die zurückge-
blieben sind – insofern, als es jene Erfahrung darstellt, gegen die sie sich einst
entschieden haben. Umgekehrt hätten die Leidenserfahrungen der im Herkunfts-
land Gebliebenen auch das Leid jener werden können, die letztlich den Weg in die
Emigration gewählt haben, und prägen somit auch deren Identität. Das vollstän-
dige Bild ist nur zu erfassen, wenn diese „Scherben“ zusammengesetzt werden.
Dies ist es zumindest, was die Texte von Kundera, Hemon und Prcić nahelegen.
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
- Titel
- Opfernarrative in transnationalen Kontexten
- Herausgeber
- Eva Binder
- Christof Diem
- Miriam Finkelstein
- Sieglinde Klettenhammer
- Birgit Mertz-Baumgartner
- Marijana Milošević
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-069346-1
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 350
- Schlagwörter
- Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
- Kategorie
- Lehrbücher