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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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282    Eva Kowollik Konstellation aus Sprecher*innen und Zuhörer*innen hindeutet. Lassen sich in den jugoslawischen Nachfolgestaaten, insbesondere im Hinblick auf die jugosla- wischen Zerfallskriege, dialogische Muster des Erinnerns identifizieren? 1 Kontextualisierungen Eine Erinnerungskultur im Assmann’schen Sinne hat in den postjugo slawischen Gesellschaften (noch) keine breite gesellschaftliche Basis.3 Dass die nationalen Erinnerungsdiskurse weithin dem Modell des eigenen Leidens verhaftet sind, hĂ€ngt mit der problematischen Erinnerungsdoktrin im jugoslawischen Staats- sozialismus zusammen, die zudem auf den Partisanenmythos und die Losung Bratstvo i jedinstvo (BrĂŒderlichkeit und Einheit) setzte: The official interpretation of the war contained two principle aspects: first, it relied on a simple dichotomy, presenting the Partisans as ‚revolutionaries‘ and ‚liberators‘ and all other forces as ‚counterrevolutionaries‘ and ‚fascists‘; secondly, it effectively ‚de-ethnicised‘ the war, by blaming the ‚bourgeoisies‘ of all Yugoslav nations for the crimes that had taken place and by dealing with wartime inter-ethnic conflicts only in terms of superficial reci- procity [
]. (Dragović-Soso 2002, 100) Als Folge dieses Simplifizierungsgebotes schwelten somit im zweiten Jugosla- wien auf allen Seiten nicht verarbeitete historische Traumata im Ă€ußerst flexiblen FamiliengedĂ€chtnis weiter – eine von Ressentiments begleitete transgeneratio- nale Weitergabe blieb der einzige Weg des Erinnerns.4 In der Literatur kulminierte dies in Ă€ußerst populĂ€ren Bestsellern, die seit den 1980er Jahren auf dem Buch- markt erschienen und einer „Literatur der populistischen Welle“ angehörten.5 Charakterisiert waren diese Texte von einer selektiven Wahrnehmung ausschließ- lich des eigenen Leidens und einer Identifikation mit der eigenen Opferposition in der Vergangenheit, ein PhĂ€nomen, das Alida Bremer 1992 in ihrer Diagnose der damals „neueren serbischen Literatur“ treffend als „eine Art kollektiven inneren Monolog“ (1992, 460) bezeichnete. 3  In ihrer Einleitung weist Assmann mit den Fragen „Warum gab es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs keine ‚Erinnerungskultur‘? Warum galt lange Zeit das Schweigen als die bessere Opti- on?“ (2016, 10) darauf hin, dass fĂŒr die Entwicklung einer Erinnerungskultur im Zusammenhang mit kollektiven Traumata eine gewisse zeitliche Distanz notwendig ist. 4  Zur FlexibilitĂ€t des sozialen GedĂ€chtnisses vgl. Assmann 2014, 203. 5  Der Begriff stammt von Mirko Djordjević (1998).
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Titel
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Herausgeber
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Miloơević
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
350
Schlagwörter
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, TransnationalitÀt
Kategorie
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