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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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310    Ioannis Pangalos Fall ist es der Pasodoble „Suspiros de España“, das Lied, das der Soldat singt und tanzt, wĂ€hrend Mazas auch zugegen ist (Pangalos 2017, 381–382, 386). Es liegt auf der Hand, dass Soldados de Salamina ein gedĂ€chtnisreflexiver Roman ist: In der Kategorie der Texte, „die Erinnerungsprozesse – individuelle wie kollektive  – auch beobachtbar“ (Erll 2005a, 165) machen, ist das Werk von Cercas zweifels- ohne das reprĂ€sentativste. Thema seines Romans ist im Grunde der komplexe Prozess der GedĂ€chtniskonstruktion – als „una suerte de thriller historiogrĂĄfico“ [eine Art historiografischer Thriller] wird das Buch von GĂłmez LĂłpez-Quiñones (2006, 16) bezeichnet. AnlĂ€sslich des wĂŒtenden Leserbriefs eines „hombre lo bastante mayor para haber vivido la guerra“ (Cercas 2002, 26) [„Mannes, der alt genug war, um den Krieg mitgemacht zu haben“ (Cercas 2017, 23–24)], der zu den Verlierer*innen des Kriegs gehört und den ich-erzĂ€hlenden Journalisten des Revi- sionismus (2017, 23–24) bezichtigt, weil jener in seinem Zeitungsartikel die Sym- metrie (2017, 20) des Schicksals eines Rechten und eines Linken unterstrichen hĂ€tte, wird auch Bezug auf die immer noch wirksamen antagonistischen Erinne- rungskollektive genommen. DarĂŒber hinaus werden sehr bewusst und detailliert alle Faktoren dargestellt, die in ein gegenwĂ€rtiges Erinnerungs narrativ mĂŒnden und seine Beschaffenheit bestimmen (ausfĂŒhrlich in Pangalos 2017, 382–386). Einer dieser Faktoren ist auch die literarische Phantasie selbst, da die ErzĂ€hler- figur, die den Namen des Autors, Cercas, trĂ€gt, ganz bewusst den – inzwischen greisen – FreiheitskĂ€mpfer Miralles zum Helden stilisiert (obwohl der Betroffene verneint, dass er der Retter von Mazas war). Dieser Kunstgriff kann als WillkĂŒr und Mythisierung aufgefasst werden (JĂŒnke 2012, 91–97), meiner Meinung nach ist er jedoch eher als ethisch motiviertes Korrektiv zur einseitigen, seine Retter verkennenden Geschichte von Mazas (sowohl der ‚Freunde des Waldes‘, als auch des republikanischen Soldaten) zu verstehen, die der Falangist mehrmals zu Pro- pagandazwecken in der Öffentlichkeit der Franco-Ära erzĂ€hlte, um sich als Held zu prĂ€sentieren (GĂłmez LĂłpez-Quiñones 2006, 62–63). Durch seinen metafiktio- nalen, selbstreflexiven und seine Prozesshaftigkeit betonenden Gestus wendet sich Soldados de Salamina gegen festgefahrene Geschichts bilder und plĂ€diert fĂŒr eine permanente Neuverhandlung der Vergangenheit (GĂłmez LĂłpez-Quiñones 2006, 50–65). In diesem Kontext ist es selbstverstĂ€ndlich, dass sich auch traditi- onelle Opfer-TĂ€ter-Schemata verflĂŒssigen. 3.1.2 El lĂĄpiz del carpintero: Der TĂ€ter als Melancholiker In El lĂĄpiz del carpintero des galizischen Autors Manuel Rivas (1998, dt. Der Blei- stift des Zimmermanns, 2000) wird ebenfalls eine interessante Spielart von Erin- nerungsalteritĂ€t inszeniert: Der in der ErzĂ€hlgegenwart verkommene, ehemalige
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Titel
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Herausgeber
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Miloơević
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
350
Schlagwörter
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, TransnationalitÀt
Kategorie
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