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Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe E-H, Band 2
Seite - 493 -
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Seite - 493 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe E-H, Band 2

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Handel und Handelspolitik. 493 gen die größte Aufmerksamkeit geschenkt, der Landbauer aus seinen drü- ckenden Verhältnissen gezogen, dem Gewerbsmanne Freyheit der Be- schäftigung und gesicherter Absatz durch d'ieSchassung eiues innern großen Marktes ertheilt, und alle hemmenden Schranken des gegenseitigen Verkeh- res der Provinzen niedergerissen. Allmählig reifte die köstliche Frucht einer blühenden Gewerbsthätigkeit, welche bald nicht nur dcn einheimischen Bedarf sicherstellte, sondern auch auswärtigen Absatz suchte, wodurch die Regierung durch die Beförderung des nun auf festen Grundlagen ru- henden auswärtigen Verkehrs zu sorgen nachtet.— Kaiser Carl VI. bemühte sich durch die Anlegung guter Straßen, und Errichtung ber 4 Freyhäfen Triest, Fiume, Bu ccari und PorcoReum die Belebung des Außenhandels; seine Nachfolgerinn, die große Maria Theresia, war durch die Gründung des Wiener Großhandlungsgremiums, durch die Verbesserung der bereits von ihrem Vorfahrer erlassene» Wechselord- nung, und durch viele andere heilsame Verordnungen für die Aufmun- terung des innern Verkehrs besorgt; die Abschaffung der Leibeigenschaft in verschiedenen Provinzen wirkte wohlthätig auf die Verbesserung des Landbaues. Das große Wert der Belebung der Nationalthätigkeit, durch Maria Theresia begonnen, wurde durch die kräftige Hand Jo- seph's I I . rasch fortgeführt; die Entfesselung des Landmannes von sei- nen drückenden Lasten, die Ermunterung des Gewerbfieißes durch größere, ihm eingeräumte Freyheit, durch die Herstellung gleichen Maßes und Gewichtes, so wie eines ungehemmten Verkehrs zwischen den verschiede- nen Landestheilen, bahnten den Weg zu der Blüthe der einheimischen Industrie, die durch die schon früher, vorbereitete Einführung de» Prohibi- tiosystems, welche ihr einen ausgedehnten Markt sicherte, ihren höchsten Aufschwung erhielt. Wie verschieden auch die Urtheile über dieses System ausfallen, was auch immer die Theorie dagegen einzuwenden haben mag; die Erfahrung hat den Streit entschieden und bewahrt, wie weise seine Einführung unter gewissen Voraussetzungen sey. Wenn überhaupt jede Lehre der Staat5wnthschaft mehr oder weniger einen gegebenen Zustand des Staates voraussetzt, auf den sie bezogen werden kann, so ist dieses- wohl am meisten mitder Lehre derHandelsfreyheit der Fall, die nach Maß- gabe der Verhältnisse einen so höchst verschiedenen Einfluß auf die Na- tionalwohlfahrt zu äußern vermag. Man kann von der Zulässigkeit, oder wohl gar vou cerNothwendigkeitjdieser Maxime inderTheorievollkommm überzeugt seyn, und doch in der wirklichen Anwendung eine scheinbar entgegengesetzte Verfügung treffen, weil es in der praktischen Staats- wirthschaft nicht um die Einrichtung eines idealen Staates, sondern um die Regelung gegebenerVerhältnisse zu thun ist, und vielleicht handelt eine Regierung, welche durch die temporäre Einführung dei Prohibitivsyste- mes die einheimischen industriellen Kräfte zu einem künftigen freyen Kam- pfe vorzubereiten und zu stählen sucht, zweckmäßiger in dem Sinne der Lehre vom freyen Verkehre, als eine andere, die ohne Berücksichtigung des Gewerbszustandes im eigenen Staate ihre einheimischen Märkte ohne Rückhalt der Übermacht einer fremden, gänzlich überlegenenIndustrie öffnet» — Die Frage von der Einwirkung des Verbothssystemes stellt sich übrigens in Osterreich unter einem ganz andern Gesichtspuncte dar, als in man-
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Österreichische National-Enzyklopädie Buchstabe E-H, Band 2
Titel
Österreichische National-Enzyklopädie
Untertitel
Buchstabe E-H
Band
2
Autoren
Franz Gräffer
Johann Czikann
Verlag
H. Strauß
Ort
Wien
Datum
1835
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.3 x 22.0 cm
Seiten
696
Schlagwörter
Nachschlagewerk, Biografien
Kategorien
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