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Maximilian l., röm.-deutscher Raiser.
nam wurde, seiner Anordnung gemäß, in den schon fertig stehenden
Sarg, welchen er schon seit mehreren Jahren allenthalben mit sich geführt
hatte, gelegt und in der Schloßkirche zuWiener - Neustadt neben seiner
geliebten Mutter Eleonore unter dem Hochaltäre so begraben, das;
Kopf uud Herz unter die, Füße des messelesenden Priesters zu liegen
kamen. Seine Erben in Osterreich waren seine Enkel Car l (zugleich
Herr der Niederlande und König von Castilien undArragonien)undFer«
din and, welcher in der Folge seinem Großvater das berühmte Grab-
mahl in der Hofkirche zu Innsbruck setzen ließ. — Wie M. Freund
ulld Kenner der Wissenschaften und Künste im reichsten und edelsten Sin-
ne war, so hatten sich nicht nur viele Kunstler, Gelehrte und Kriegshel-
den seiner Aufmunterung und Unterstützung, sondern auch einige der
ausgezeichneteren seines nähern Umganges, ja seiner Freundschaft zu
erfreuen. Unter Letzteren sind besonders Albrecht Dürer , die Cra-
nach, Wi l iba ld Pirkheimer, der gelehrte Cuspin ian, Con-
rad Celtes, der wackere G eo rg Fronsperger u. A. anzuführen.
Weit entfernt, wissenschaftliche Aufklärung als eine Feindinn der öffent-
lichen Ruhe unterdrücken zu wollen, benutzte er sie vielmehr zum Glanz
und Glücke seines Reiches und verachtete nur jene Wissenschaften,^ die nach
seiner richtigen Ansicht die Geister mehr verwirren und vom gesunden
Verstande ableiten, als sie zum Rechten zu führen und wahrhaft Nütz-
liches zu befördern. Wo er einen Gelehrten fand, der sich in seinem Fa-
che wirklich auszeichnete, konnte derselbe, ohne Rücksicht auf hohe oder
niedere Geburt seiner Auszeichnung gewiß seyn. „Billig ziehe ich diejeni-
gen vor," sagte er, „welche die Narur selbst vorgezogen hat." Auf d?n
Reichstagen genoffen die Gelehrten grosier Auszeichnung. So durften
siez. B. auf jenem zu Freyburg 1493 Gold auf ihren Mützen und
Wämsern tragen, wo hingegen dem niederen Adel nur Silber gestattet
war. Seit dieser Zeit fing auch der Adel an, die Wissenschaften für seine
vorzüglichste Zierde zu halten, welche er früher in den rohen Zeiten des
Faustrechtes auf das tiefste verachtet hatte. Selbst äußerst wissenschaft-
lich gebildet und durch den Umgang mit den erlesensten Geistern un-
ter seinen Zeitgenossen angeregt, konnte es auch nicht fehlen, daß sich
M. selbst auf Schriftstellerey verlegte, doch dicrirte er größtentheils
und hielt es dabey auch für unziemlich, als großer Monarch unter
seinem eigenen Nahmen als Schriftsteller, oderauch schon nur als
Held in seiner eigenen Lebensbeschreibung aufzutreten, die wir treff-
lich erzählt, unter dem Nahmen: Der weiße Kunig (s. d.), voll von
Pseudonymen besitzen. Er dictirte sie seinem Secretär M. Treitz-
saurwein (s. d.) und sie reicht bis an das Jahr 1513. Eine Geschichte
seiner Abenteuer verfaßte, ebenfalls voll von allegorischen Nahmen,
1517 Melchior Pf inz ing (s. d.) unter dem Titel: Thewrdankh.
Außerdem schrieb M. auch ein Buch von der Natur einiger Thier.'. Gro-
ße Sorgfalt verwandte M. auch, im Gefühle seiner hohen Würde und
mit Recht seiner alten Abkunft und des Glanzes seines Hauses sich be-
wus;t, auf die Abfassung der Ahnentafeln desselben; als jedoch ein Ta-
delsüchtiger seines Hofes folgende Verse an die Wand schrieb:
„Als Adam hackt' und Eva spann.
Wo war damahls der Edelmann?"
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie