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Slavonien. I I . Geographie und Statistik. 63
nehmen. Eben so schlecht steht es in S. mit dem Baue der Garten- und
Küchengewächse; nur Zwiebel, Knoblauch und weißen Kohlkopf baut der
Slavonier, und zwar in Menge, weil sie zu seiner täglichen Nahrung
gehören. Der Landmann richtet sein Augenmerk nur auf Ackerbau und
Viehzucht; auch würde es ihm an Absatz der Producte des Gartenbaues
fehlen, weil S. nur ein Paar Städte hat, und selbst diese nur so viel Ge-
müse bauen, als sie zur eigenen Consumtion brauchen. Weinbau ist sehr
ansehnlich in S. Am meisten wird er in Sirmien betrieben. Alle slavo-
nischen Weine, sowohl die rothen als die weißen, sind sehr hitzig; sie
lassen sich aber nicht lange halten. Der sirmische Wein ist am besten,
wenn er 3 oder 4 Jahre alt ist; nach 6 Jahren verliert er seinen ange-
nehmen Traubengeschmack, wird herbe und bekömmt gar zu viele Stärke.
Obgleich die Bienenzucht eine der Trägheit der Slavonier sehr angemes-
sene Beschäftigung ist, da sie wenig Arbeit fordert, und dieselbe doch
reichlich vergilt, besonders in einem so kräuterreichen Lande, als zum
Theile S. ist, so ist sie doch lange nicht so ansehnlich, als sie es wohl
seyn könnte. Die Seidencultur hat zwar seit 1761, als sie in S. ein-
geführt worden ist, sehr glückliche Fortschritte gemacht und sich ansehn-
lich ausgebreitet; aber sie ist doch noch immer nicht so beträchtlich, als
sie eS wohl vermöge des angemessenen Climas und des gewissen Absatzes
seyn könnte. Der Seidenbau ist hier hauptsächlich durch Prämien und
andere aufmunternde Anstalten emporgebracht worden. Der auswär-
tige Handel in S. besteht theils im Producten-, theils im Zwischen-
oder Transitohandel, während sich der Manufacturhandel dieses Landes
nur auf die Einfuhr österr. Fabrikate beschränkt. Der Productenhandel
S.'s, welcher mit ganz rohen oder einigermaßen vorgearbeiteten Pro-
ducten getrieben wird, ist bis jetzt der bedeutendste. Die Hauptgegen-
stände dieses Verkehrs sind gegenwärtig Vieh, rohe Häute, Honig und
Wachs. Den größten Handel treibt dieses Land mit Schlachtvieh, wel-
ches in größter Menge und ohne Unterlaß durch Ungarn nach Osterreich,
Steyermark, Kärnthen, Mähren und Böhmen, und durch Croatien
theils in das Küstenland, theils nach Kram und Venedig geht. Aber
nur Schweine und Ochsen sind die Gegenstände dieses Viehhandels, da
die slavonischen Pferde in Hinsicht auf ihre Qualität zu keinem auswär-
tigen Handel noch geeignet sind, und die Schafzucht im Ganzen genom-
men noch unbedeutend ist. Die Ausfuhr des Getreides besteht in Weizen
und Roggen. Den größten Theil seiner rohen Häute, so wie auch die
Felle von Füchsen, Wölfen, Bären, Mardern, Luchsen, Dachsen,
Billichen u. s. w. führt S. nach Österreich und Angarn, womit den
größten Handel besonders Eszek und Neu sah treiben. Wachs, Ho-
nig, Kaviar, Hausenblasen, Schildkröten, Knoppern, Krapp und
Süßholz gehen nach Osterreich; eingesalzene Hausen, Kaviar, rohe
Ziegenhäute, Wachs und Knoppern auch nach Agram, Carlstadt,
Fiume und Triest. Eigenen Manufacturhandel hat S. kemen, da
es keine Fabriken und Manufacturen besitzt. Was den Durchfuhrs-
handel von S. betrifft, so muß derselbe um so größer seyn, da diese
Provinz mittelst seinen Hauptströmen, der Donau, Save und Drave
fast mit der ganzen österr. Monarchie in Verbindung steht, auf welchem'
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Band 5
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe See-V
- Band
- 5
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 604
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie