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1659 Pflegeroboter: Analyse und Bewertung aus Sicht … 9.3.2 Anthropologische Bedingungen Von welchen anthropologischen Annahmen gehen wir aus – zum einen zur Begründung einer Ethics of Care und der durch sie einzunehmenden Beurteilungsperspektive, zum anderen als konzeptionelle Basis der theoretischen Begründung und empiri- schen Beschreibung pflegerischen Handelns als eine spezifische Ausprägung von Care? Anthropologische Annahmen verstehen sich als Antworten auf die Frage, was es bedeutet, ein Mensch zu sein (conditio humana). Jenseits eines extrem individualis- tischen Selbstverständnisses unserer Kultur gilt es sich weiterhin der Tatsache bewusst zu sein, dass sich menschliches Leben unter historisch variierenden Bedingungen phy- sischer Abhängigkeiten und sozialer Angewiesenheiten vollzieht. In ganz elementaren Bereichen ihres Lebens machen Menschen die Erfahrung wechselseitiger Abhängig- keiten, welche sich in sublimer Weise in moralischen Anschauungen manifestiert. Je mehr sich Menschen ihrer gegenseitigen Abhängigkeiten und Angewiesenheiten bewusst werden, umso mehr wird ihnen auch ihre Verletzlichkeit bewusst. Als eine Antwort auf diesen fundamentalen Erfahrungshintergrund kann das Prinzip der Schonung betrachtet werden (Siep 2004). In diesem Zusammenhang lässt sich auch die soziale Bedeutsamkeit eines rein biologischen Faktums herausstellen: Bereits mit seiner Geburt ist der Mensch auf Hilfe, Zuwendung und Anerkennung seiner sozialen Umgebung angewiesen, und er bleibt es in unterschiedlichen Graden in Abhängigkeit von vorhersehbaren und nicht vorhersehbaren Krisen als Wendepunkten persönlicher bzw. gemeinschaftlicher Lebens- geschichte dauerhaft. Diese in anthropologisch tief sitzenden, durch variationsreiche Sozialtechniken gewiss modifizierbaren Grundstrukturen menschlichen Lebens schei- nen durch Sichtweisen infrage gestellt zu werden, in welchen individuelle Lösungen für gesellschaftlich erzeugte Probleme im Vordergrund stehen (vgl. Beimborn et al. 2016, insbes. S. 314; van Dyk 2009). 9.3.3 Spezifika einer Ethics of Care Vor dem Hintergrund vorstehend explizierter anthropologischer Tatsachen stehen im Zentrum einer perspektivisch auf Fürsorge ausgerichteten Ethics of Care (vgl. Held 2005; Conradi 2010) Fragen menschlichen Gedeihens, persönlichen Wohlergehens und biografischen Gelingens. Wichtige Impulse für eine Ethics of Care hat bspw. Ludwig Siep (2004) in seiner auf verschiedene Anwendungsszenarien ausgerichteten Konkre- ten Ethik gegeben. Deren Anspruch besteht nicht nur darin, Antworten darauf zu fin- den, wie „Voraussetzungen schweren Leidens“ beseitigt werden können. Vielmehr geht es auch darum, indisponible Rechte von Personen zu schützen. Diese Rechte kulminie- ren gewissermaßen in dem Anspruch, dass Menschen als kooperationsbedürftige und kooperationsfähige Wesen in genau diesem Möglichkeitshorizont gefördert werden. Die- sen Zusammenhang akzentuieren besonders Beimborn et al. (2016) in ihrem Entwurf
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Pflegeroboter
Titel
Pflegeroboter
Autor
Oliver Bendel
Verlag
Springer Gabler
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-658-22698-5
Abmessungen
17.3 x 24.6 cm
Seiten
278
Kategorie
Technik
Web-Books
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