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1679 Pflegeroboter: Analyse und Bewertung aus Sicht … 9.3.4 Zwischenbemerkung: Einige Charakteristika pflegerischen Handelns Pflege ist eine Dienstleistung professioneller Hilfe für Menschen, die bedingt durch Erkrankungen, Behinderungen oder Abbauprozesse Einschränkungen erleben, welche die bio-psycho-soziale Integrität dieser Menschen zutiefst berühren können. In dem Maße, wie sich solche Leidenszustände krisenhaft zuspitzen, treten Bedürfnisse nach Sicherheit und erfolgreicher Bewältigung von Spannungs- und Stresssituationen in den Vordergrund. Auf elementarer Ebene kann daher Pflege als eine an den Grundbedürf- nissen hilfebedürftiger Menschen ansetzende Beziehungsarbeit charakterisiert werden, welche neben wissenschaftlich-fachlichen Anforderungen ebenso spezifisch emotiona- len Anforderungen zu genügen hat (Strauss et al. 1980). In dieser Hinsicht besteht eine gewisse Affinität zur meist weiblich zugewiesenen Haus- und Familienarbeit. Der direkte Umgang mit körperlich stark eingeschränkten Menschen stellt in der Regel eine hohe physische Belastung des Pflegepersonals dar. Die Naturgebunden- heit pflegerischen Handelns kommt aber auch in einer anderen Tatsache zum Ausdruck. Pflege als Beziehungsarbeit vollzieht sich im psychophysischen Medium leiblicher Gegenseitigkeit, die eine gewisse Diffusität sozialer Rollen mit sich bringt mit dem Risiko einer Symbiose ohne Schutz vor grenzenloser Verausgabung (Stichwort: Burn- out) sowie der Gefahr des Missbrauchs eigener Machtpositionen. Weitere Schwierigkeiten resultieren aus einem sehr anspruchsvollen Synchronisations- bedarf von Tätigkeiten wie: Organisation von Versorgung, persönliche, stets leiblich prä- sente Zuwendung sowie affektive Balance. Die Tatsache, dass pflegerische Tätigkeiten an natürlichen, zyklisch wiederkehrenden, jedoch situativ variierenden (Grund-)Bedürf- nissen auszurichten sind, macht sie zeitlich nur schwer planbar und kaum kontrollierbar (Weishaupt 2006; Dunkel und Weihrich 2010). Massiv wird zudem das Erfolgserleben dadurch erschwert, dass – im Gegensatz bspw. zur Herstellung materieller Güter oder der Bearbeitung von Verwaltungsvorgängen – Arbeitsresultate sich rasch verflüchtigen. Vor allem bei therapeutischer Aussichtslosigkeit, Siechtum und Verfall fehlt ihnen eine materielle Anschaulichkeit des Erfolgs, der überdies anders zu bemessen ist (Belan und Schiller 2016). Diese phänomenologisch weitaus differenzierter darstellbaren Formen und Eigen- schaften pflegerischer Arbeit betrachten wir als einen mehrere Wahrnehmungsschichten gleichzeitig affizierenden Kernbereich der Pflege. Ihres zyklischen Charakters wegen rangiert sie als „Beziehungsarbeit“ in der Statushierarchie therapeutischer Berufe eher niedrig. Bedacht werden sollte auch, dass methodische Verfahrensweisen der Wirksam- keitsprüfung pflegerischer Maßnahmen auf die Notwendigkeit einer (experimentellen) Isolierung einzelner Faktoren angewiesen, angesichts der Komplexität und Diffusi- tät pflegerischer Handlungen aber häufig zum Scheitern verurteilt sind. Hinzu kommt schließlich, dass das im praktischen Umgang mit Hilfebedürftigen erworbene Wissen eine genuine, hochwertige, streng genommen aber „vorrationale“, qua mimetischem Vermögen konstituierte Wissensform darstellt, welche wissenschaftlich zunächst einmal
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Pflegeroboter
Titel
Pflegeroboter
Autor
Oliver Bendel
Verlag
Springer Gabler
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-658-22698-5
Abmessungen
17.3 x 24.6 cm
Seiten
278
Kategorie
Technik
Web-Books
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