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Pflegeroboter: Analyse und Bewertung aus Sicht …
Beziehungsarbeit durch freundliche Companions ersetzt werden kann und darf. Dies
ist nicht nur eine ethische, sondern auch eine arbeitssoziologische und -psychologische
Frage angesichts mindestens dreier charakteristischer Phänomene: der zyklischen
Organisationsform von Pflege, bestimmter affektueller Charakteristika der Tätigkeit
sowie jener phänomenalen Besonderheiten einer leiblichen Responsivität ( Waldenfels
1994): einer Gegenseitigkeit des Fühlens und Gefühltwerdens, des Berührens und
Berührtwerdens – was im Übrigen von hohem therapeutischen Wert ist. Die Ein-
beziehung von Assistenzsystemen in pflegerische Arbeitsprozesse wird sich als produk-
tiv oder entlastend nur dann erweisen, wenn dadurch jene originären, in einer leiblichen
Intentionalität fundierten multisensorischen Wahrnehmungsfähigkeiten nicht nur nicht
angetastet, sondern einen größeren Entfaltungsspielraum erhalten werden (vgl. Oleson
2006). Diese phänomenalen Besonderheiten sind u. a. der Grund jener Ambivalenzen
von Pflegefachkräften bei der Bewertung des Einsatzes von Überwachungstechnologien
bei pflegebedürftigen Personen (Pols 2012).
9.3.5 Zum Einsatz autonomer Assistenzsysteme in der Pflege
Bezüglich des Einsatzes von Robotern möchten wir zunächst eine provisorische Unter-
scheidung vornehmen zwischen Assistenzrobotern, Therapierobotern und Interaktions-
robotern. Zu den Assistenzrobotern werden im Allgemeinen diejenigen gerechnet,
welche die Medikation unterstützen (zeitlich sicher programmierte Abgabe fest program-
mierter Dosen von Medikamenten). Ferner der als Care-O-bot 4 entwickelte Roboter, der
manuelle Tätigkeiten (Greifen, Anreichen) ausführt und z. B. das Anreichen von Spei-
sen und Getränken auf Kommando ausführt. Schließlich ein intelligenter Pflegewagen,
der auf Anforderung herbeirollt, Pflegeutensilien vorrätig hält und ihren Verbrauch
dokumentiert, um stets vollständig bestückt und einsatzbereit zu sein. Zu den Assistenz-
robotern gehören auch die zur physischen Alltagsunterstützung in der häuslichen und
stationären Pflege wie Heben und Tragen eines Patienten entwickelten Systeme. Unter
diese Kategorie fallen ebenso Exo- oder Außenskelette, also Mensch-Maschine-Sys-
teme, welche menschliche Intelligenz mit maschineller Kraft kombinieren, indem sie die
Bewegungen des Trägers unterstützen oder verstärken.
Exoskelette sollen zukünftig vor allem dort zum Einsatz kommen, wo menschliche
Arbeit nicht sinnvoll durch Automatisierung oder Robotik-Systeme ersetzt werden kann.
Hierzu zählen bestimmte Arbeitsprozesse in der industriellen Produktion, beispiels-
weise in der Automobilbranche, aber auch körperlich schwere Arbeiten im Baugewerbe,
der Logistik oder im Pflegebereich. Schließlich können den Assistenzrobotern auch
bestimmte Tracking-Systeme zugerechnet werden, deren Einsatz vor allem der örtlichen
Selbst- oder Fremdkontrolle kognitiv eingeschränkter, möglicherweise an einer leichten
Demenz leidender Personen dient.
Zu den Therapierobotern gehören zum Beispiel diejenigen, die die Mobilität unter-
stützen. Zu denken ist hier beispielsweise an einen im Projekt ROREAS entwickelten
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