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22312 Umsorgen, überwachen, unterhalten … Ob und inwiefern demenziell erkrankte Menschen in der Lage sind, Roboter von Lebe- wesen zu unterscheiden, ist nicht Gegenstand dieses Beitrags. Unabhängig davon, ob sich Menschen über die Natur des Kunsttiers bewusst sind, stehen Zuwendungsroboter jedoch hauptsächlich aufgrund ihrer Interaktionsfähigkeit und der damit verbundenen vorgetäuschten Emotionen in der Kritik. Halten Menschen Roboter für empfindsame, emotionsfähige Wesen, werden den Geräten Aufgaben emotionaler Zuwendung über- tragen, denen ein Roboter naturgemäß in keiner Weise gerecht werden kann. Fragt man Menschen nach ihren Ansprüchen an eine kompetente Pflegekraft, nennen sie nicht selten gefühlsbetonte Schlagworte wie Mitgefühl, Zärtlichkeit oder Achtsamkeit. Auch Trost in schwierigen Momenten wird gewünscht. Allesamt Anforderungen, denen künstliche Sys- teme mangels Empfindungsfähigkeit nicht gewachsen sind. Denn Computer und Roboter können keine Gefühle empfinden (Rojas 2016, S. 51). Zwar sind sie in der Lage, Emo- tionen auszudrücken – etwa durch niedliches Quietschen –, authentische Gefühle setzen jedoch Leben voraus. Demgegenüber möchten Menschen echte Zuwendung erfahren und nicht nur das bloße Gefühl von Zuwendung erleben. Ebenso wenig wie wir von Zora über die Adressaten unserer Äußerungen getäuscht werden wollen, wollen wir von Paro bezüg- lich des Adressaten unserer Gefühle oder hinsichtlich der Qualität erfahrener Emotionen betrogen werden. Unabhängig von ihrer körperlichen und geistigen Verfassung sollten Menschen demnach authentische Empfindungen zeigen wie auch erfahren dürfen. Sympathische Roboter laden zur Interaktion ein. Um die ethische Debatte um Pflegeroboter unvoreingenommen zu führen, ist das ansprechende Design der Robo- ter jedoch auszublenden. Im Unterschied zu Kindern, die Stofftieren im fantasievollen Spiel Empfindungen andichten, werden im Falle Paros künstliche Gefühlausdrücke mittels technischer Apparaturen als real existierende Empfindungen vermittelt. Wer- den pflegebedürftige Menschen mit dem Kuschelroboter sich selbst überlassen, besteht nicht nur eine Isolationsgefahr, sondern auch das Risiko, dass Menschen über die Natur der Robbe getäuscht und menschliche Gefühle und deren Ausdruck unter falschen Annahmen befördert werden. Diese Problematik kann aber umgangen werden, wenn Roboter wie Paro explizit als Gefühlsübermittler zwischen Pflegefachkraft und Pflege- bedürftigen, jedoch nie als eigenständige Sender künstlicher Emotionen oder Empfän- ger menschlicher Gefühlsäußerungen fungieren. Der Einsatz eines Therapieroboters ist somit an menschliche Begleitung, beispielsweise durch eine Pflegefachkraft, zu knüpfen. Erst wenn Pflegekräfte oder Angehörige die durch Therapieroboter erweckten Gefühle rezipieren und entsprechend reagieren, verschiebt sich die Rolle des Roboters vom ungeeigneten Absender und Empfänger vermeintlicher Gefühle zum Vermittler authen- tischer Emotionen der Beteiligten. Erzählt eine betagte Person aufgrund der Interaktion mit Paro vom Hund aus der Kindheit, wird wechselseitiger Zugang zu Gefühlswelten geschaffen, auf die sich Pflegefachkräfte im alltäglichen Umgang mit der betreffenden Person weiterhin beziehen und so deren geistige Animation gewährleisten können.
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Pflegeroboter
Titel
Pflegeroboter
Autor
Oliver Bendel
Verlag
Springer Gabler
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-658-22698-5
Abmessungen
17.3 x 24.6 cm
Seiten
278
Kategorie
Technik
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