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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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warendort JüdinnenundJudenausdiesemTeilBudapests interniertworden. In- sofernistderOrt insitu,aberalsInternierungsstättewarernurvonnachrangiger, lokalerBedeutunggewesen. (HDKEo.J.;Radonić2018b,132) Vor der Eröffnungder ständigenAusstellungwurdeKritik andemStand- ort des HDKE imwinzigen Gässchen Páva utca (im Kontrast zum zentral an einemPrachtboulevard gelegenenHaus des Terrors) geäußert, an denhohen Sandsteinmauern, die dieGedenkstätte umgebenundwie eineArtGhetto ab- schotten.86 (Abb. 22)Wegender inderEntwicklungsphase immerknapperbe- messenen Räume und der unterirdischen Lage der Ausstellung bezeichnete siederChefredakteurder jüdischenWochenzeitungSzombatals„Holocaust-Tief- garage“. (SeewannundKovács 2006b, 198;Mihok2005, 164;Radonić 2014d, 13) Obwohl die Synagoge, inder dieAusstellung endet, nichtmehr religiös genutzt werden sollte undkeineThorabeherbergt,wurdendieVerbindungmitGlauben 86 DerverantwortlicheArchitekt IstvánMányiverteidigtediehoheMauerzunächstmitdemHin- weis,diesediene„demSchutzgegenäußereEinflüsseundgibtderGedenkmauervomInnengar- tenhereinenunvergänglichenStatus. […]DieBetonung liegthier inderBeschwörungderStille.“ (Mányi2006,35)Später indemselbenText fügter jedochinBezugaufdie„vielkritisierte,massive Steinmauer“, an deren Innenseite dieNamenderOpfer eingraviert sind, hinzu: „Auch ich finde keinenGefallen andiesenWänden, aber diesesmit achtMillimeter großenBuchstabengeschrie- bene, erschütterndeNamensverzeichnis bedarf einer so gewaltigen Fläche. Diejenigen, die diese Massivitätbeanstanden,habennichtsausdemHolocaustgelernt.“ (Mányi2006,37)SeineAussage gegenüberdenvorallemjüdischenKritikerInnender„Ghettoisierung“wirktarrogantundaggres- siv.AufderselbenSeitebehauptet erhingegengleichmachend:Das Judentumstehehier„füralle unschuldigen, verschlepptenundermordetenMenschen.“ (Mányi 2006, 37)MeinerEinschätzung nach ist die architektonischeGestaltungdesMuseumsgeländesbeeindruckend, ihreErklärungen durch denArchitekten jedoch zweifelhaft. Mányi habe sich eigenenAngaben zufolgemit dieser Aufgabe auseinandergesetzt, „ummichmit denOpfern zu identifizieren.“ (Mányi 2006, 41) Den Holocaust vergleicht er dabei mit Naturkatastrophen: Die „wie durch ein Erdbeben aus ihrem Gleichgewichtgerückten instabilenNatursteinquader“verkörpern „dieSuchenacheinerAntwort aufdiedieGeschichtederMenschheiterschütterndeKatastrophedesHolocaust.“ (Mányi2006,37) DaderHolocaust„nicht interpretierbar“sei,beschreibter ihnalsNaturgewalt,als„Vergegenwärti- gungeinesErdbebens.“ (Mányi 2006, 37)ErüberließdenKuratorInnenauchbereits fertig gestal- tete Ausstellungsräume, mit denen sie arbeitenmussten und die demArchitekten zufolge den Holocaustnachfühlbarmachensollten:„WirentwickelteneineRaumfolge, diemit ihrenNeigun- gen,mitdenausderVertikalekippendenPfeilernundmitdenschrägenDeckeneinNachempfin- dendessenerlaubt,wasdieseMenschenmitderAusgrenzungdurchdieersten Judengesetze,mit derVerschleppungundSelektionaufderRampeundschließlichmitderdieKehlezuschnürenden Engeerlebten. Indieser räumlichenEngegedenkenwirunserer inWaggonsgepferchtenMitmen- schen.“ (Mányi 2006, 39)DasHDKE ist einBeispiel dafür, dass sichKunst, geradeauchwennes umdieShoageht, in einer FormAusdruckverschaffenkann,dienichtunbedingtdurchver- bale Erklärungen einzufangen ist.Mit der Behauptung,mankönnedurch enge oder dunkle Ausstellungsräume dem Holocaust gewissermaßen nachspüren, steht Mányi jedoch leider nichtalleineda. 118 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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