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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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alsAufstandshelferin (auch inderAusstellung), einmal als „Freiheitskämpferin- nen“mit Gewehren (in der Ausstellung drei Mal), einmal eine Partisanin, die einenOrden erhält (auch in der Ausstellung). Auf einemFoto des sowjetischen AbhördiensteswirdaucheineFraualsTäteringezeigt. InderAusstellungwerden FrauenfernerzweiMalalsKrankenschwestern imWiderstandvorgestellt. ImAb- schnittüberdenunbewaffnetenWiderstandüberwiegenFotosvonheldenhaften Frauen, so auch jenes vonMonika P.-T., einer Kurierin, die sich bei ihrer Fest- nahme 1951 zuerschießenversuchthatteundauchnachher ihremVorsatz, sich nicht zuergeben treublieb,weshalb sie imKrankenhausQuecksilberauseinem Thermometer schluckteundsoSelbstmordbeging.Das ‚traditionelle‘Opfer-und Heldennarrativ dieses litauischenMuseums umfasst also auch ‚fortschrittliche‘ FrauenalsHeldinnen,nichtnurpassiveTrauernde.DemvisuellenMaterial zum TrotzbleibtderAusdruck ‚Waldbrüder‘einmännlicher. Soviel dazu,wasdasMuseumundderGuide zumGegenstandhaben.Nun zudem,wasdarin offenkundig fehlt: AuchwennderNameMuseumderGeno- zidopfer einenWissenschaftler (Duffy 2007, 118) zu der fälschlichen Annahme verleitete,eshandlesichumeinHolocaust-Museum,sindmitdemBegriff ‚Geno- zid‘hierausschließlichdieOpferderbeidensowjetischenBesatzungen,alsoder „physicalandspiritualgenocideagainst theLithuanianpeople“gemeint,wiees imGuideheißt. (RudienėundJuozevičiūtė2006a,3)DieNS-Besatzungzwischen 1941 und 1944, in der dasGebäude ebenfalls als Foltergefängnis gedient hatte, wurde schlicht ausgelassen,111 obwohl in manchen Zellen im Keller deutliche SpurenvonGestapo-Häftlingenzusehenwaren,zumBeispieleingeritzteNamen undJahreszahlenpolnischerHäftlingeaus1943. (Radonić2018c,519) DieMehrschichtigkeit des historischen Ortes wird nur durch ein bemerkenswertes Detail preisgegeben:Durchdiebewusst freigelegtenFarbschichtenderGefängniswändewirddas 111 So ist es auchnur folgerichtig, dassunter den 378 visuellenElementen imGuide (Rudienė und Juozevičiūtė 2006a) alle 13 Fotografien von Tätern sowjetische Täter und ihre litauischen Kollaborateurezeigen:Stalin;dieVolksregierungvon1940; jenenInnenminister,derdieEinver- leibung in die Sowjetunion unterschrieben hat; NKWD-Offiziere; Agenten des KGB-Vorläufers MVDoder den stellvertretendenMinister für Staatssicherheit derUdSSR, der fürDeportationen imMai 1948 verantwortlichwar–bis auf eineAbhörspezialistin nurMänner. Die einzigeAus- nahmeist einFotovonStalinundRibbentropanlässlichdesHitler-Stalin-Pakts,einFoto,das in keinemder baltischenMuseen fehlt. Von den zwölf Porträts vonOpfern (der Sowjetbehörden) zeigen vier führende litauische Politiker der Zwischenkriegszeit und eines den ehemaligenBe- fehlshaber der litauischen Armee. Sieben Aufnahmen zeigen Gulag-Häftlinge, darunter eine Frau,diealspolitischerHäftlingvorgestelltwird,sowiezweiAnführervonLageraufständen.An- tisowjetischePartisanInnen sindauf zehnFotos zusehen, drei davonzeigen ‚gewöhnliche‘Wi- derstandskämpferInnen,alsoeineBotin,einenKaplanundeinenPartisanInnenunterstützermit einergeheimenDruckerei imHaus,dieanderenbekannte,alsHeldendargestellteKämpfer. 152 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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