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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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endlicherreichteZielpräsentiertwerdenkann–dasGegenteileiner ‚AnrufungEu- ropas‘ imobenbeschriebenenSinn. Dabei fand die Entwicklung des Ausstellungskonzepts keineswegs ohne internationaleKontakte statt,wie die 1999 abgehalteneKonferenzThe Inheri- tance of the Past zeigt, die die Kistler-Ritso-Stiftung in Kooperationmit dem Goethe-Institut,demInformationsbürodesLandesMecklenburg-Vorpommern beiderEuropäischenUnionunddemEstnischenStaatsarchivorganisierteundbei der JoachimGauck, damals Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssi- cherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik als Gast- redner fungierte. (MuseumofOccupationso. J.b) Velmet (2011, 201) hat inBezug auf dieAusstellungherausgearbeitet, dass dieMotive, aus denenEsten der sowjetischenArmee oder derWehrmacht bei- traten,einedifferenzierendeundausgeklügelte Interpretation ihrerpsychologi- schenProfile erfahren. So sagt ein Zeitzeuge imVideo: „Of course youwanted toenlist, youwould’vebeendead if youhadcontinued living in theconditions they had us in.“ ImGegensatz dazuwerden die Feinde in der Geschichte, die Sowjets, ohne jegliche Differenzierung als ‚das Böse‘ schlechthin dargestellt, alsVandalen,bolschewistischeMörderundFolterer,beidenenesvölligundenk- barwäre,nachprivatenoderpolitischenMotivenzufragen.118Diesistausmehre- ren Gründen bemerkenswert:Wenn die NS-Zeit – aus der Sicht der estnischen Mehrheitsbevölkerung– als ganz inOrdnungdargestelltwird, dannmacht dies unverständlich, warumman sich demantifaschistischen Kampf hätte anschlie- ßenundsomit inder zweiten sowjetischenBesatzungdieRettungvordenRe- pressionen sehen können. Auch warum Opfer rassischer Verfolgung in den Sowjets Befreier sehen konnten, wird angesichts der Aussparung des Holo- caust und des Genozids an denRomnja undRoma verschleiert. Und schließ- lich ist die undifferenzierte Schwarz-Weiß-Darstellung ‚der Sowjets‘ als ‚dem mordendenBösen‘nicht geeignet, die 25Prozent russischsprachiger Bevölke- rung im eigenen Land zu inkludieren. Diese bleibt somit doppelt marginali- siert: durch den estnischen Mehrheitsdiskurs im eigenen Land ebenso wie durchdie InstrumentalisierungderGeschichte inRussland. (Lehti, Jutila und Jokisipilä 2008, 409)119 Als imApril 2007 nach der Verlegung der Statue des 118 EineAusnahmevondieserRegel findet sich gleich zuBeginndesdrittenVideosüberdie Stalin-Ära. Hier kommt der 1926 geborene estnische antisowjetische Partisan Kaljo Randmäe zuWort:MancheRussenseienaufderSeitederPartisanengewesen,sohabesieeinerussische FamilieaufdemLandaufgenommen.„Theydidnot likeCommunism.TheRussiannationality wasn’tbad,but thegovernmentwas.“ 119 Auch indenGeschichte-Lehrplänen liegtderFokusdeutlichaufEstlandundEuropa,was für LehrerInnen in russischsprachigen Schulen ein Problem aufwirft, die stärker auch russi- 168 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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