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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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anvertrautworden sind– samt der persönlichen Erinnerungen, die sie beglei- ten.“ (MichelundNollendorfs 2005, 121)DieBildungsbeauftragtedesMuseums kritisierthingegendiesesUngleichgewicht. (Gundare2002, 24)Eineprosowjeti- scheZeitungwendet ebenfallsnachderMuseumseröffnungzynisch, aber letzt- lichnichtunrichtigein: Alles inallemsinddieeinzigenauthentischenObjekteindieserAusstellungdieBesitztümer jener,dienachSibiriendeportiertwurden.Nummern,die ihnen indenLagernzugewiesen wurden,TeekesselundBesteck[…],einEhrendiplom,dasein7-jährigesMädchenvoneiner SchulebeiOmskerhielt.All daskanneinenangesichtsdermenschlichenTragödiekeines- falls unberührt lassen. Doch einGedanke drängte sichmir auf: in Salaspils126 [einemNS- Polizeigefängnisund ‚Arbeitsumerziehungslager‘,Anm.L.R.]wurdensolcheDiplomenicht verteilt. (Kabanovs1993) Die wenigen Fotos von Jüdinnen und Juden unterscheiden sich stark von jenen vielfachprivatenAufnahmendernicht-jüdischenLitauerInnen.DerHolocaust-Ab- schnittderAusstellungumfassteinerseitsmenschenleereFotos:desleerenGhettos unddes leerenKZKaiserwald (Mežeparks) in Riga 1941 sowie der Rigaer Großen Choralsynagogebevor siedasArājs-Kommandoam4. Juli 1941niederbrannte. Jü- discheOpfersindnuraufvierExponatenrepräsentiert:einemübergroßen,vonTä- tern aufgenommenen, erniedrigenden Foto von bereits weitgehend entkleideten Jüdinnenunmittelbar vor ihrer Liquidation in Liepāja 1941; einemFoto von zwei anonymen Juden, die auf der Straße gehenmüssen, weil sie den Gehsteig nicht mehrbenützendürfen;einemPlakat,aufdemaufLettischsteht:„Der Judegehört nicht zu euch–werft ihn hinaus!“, auf dem eine antisemitische Karikatur eines Judenhintereiner lettischenFamilie lauert; sowieeinemDavidsternausStoff:„Er- kennungszeichen,das Judenan ihrerKleidung tragenmüssen“.DieelfPrivat- fotografien in diesem Abschnitt zeigen nicht Jüdinnen und Juden, sondern ausschließlich deren lettischeRetterInnen. (Abb. 34) Zwei Fotos vom „Juden- 126 ÜberdasLager schreibtNollendorfs: „ZumAufbaudesLagerswurden Judeneingesetzt, die die Vernichtungsaktionen des Rigaer Ghettos Ende 1941 überlebt hatten. Später zählten zu den HäftlingenundOpferndesLagersüberwiegendMenschenausLettlandundanderenLänderndes vondenNazisgebildetenReichskommissariatsOstlandsowieausRußland: straffälliggewordene Zivilisten, Deserteure, Kommunistenunterstützer, Angehörige der nationalen Widerstandsbewe- gungsowieimRahmendersogenannten ‚Banden-‘bzw.PartisanenbekämpfungverschleppteZivi- listen und Kinder. Das Lager war geprägt von schwerster Zwangsarbeit und hatte später die FunktioneinesDurchgangslagers.DieGesamtzahlderHäftlinge, die inder Zeit seinesBestehens dasLagerdurchlaufenhaben,wirdaufetwa12.000geschätzt.Etwa2.000Menschensindhiervor allem durch Krankheiten, Schwerstarbeit sowie unmenschliche Behandlung und Strafen umge- kommen.DiesowjetischenMachthaberstilisiertenSalaspilsspäterzueinem ‚Massenvernichtungs- undTodeslager‘mitOpferzahlenvonmindestens53.000bis100.000.“ (Nollendorfs2008c,74) 4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 181
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Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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