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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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siert, da damit der Raum ‚germanisiert‘140 werden sollte und auch der bloße Verdacht ‚jüdischenEinflusses‘ für eineEnteignunggereichthabe.Diesemletz- ten Punkt widerspricht Jaroslava Milotová, wenn sie nachweist, dass es sich bei „unter jüdischem Einfluss“ um eine gängige Formulierung in NS-Verord- nungen– auch fürÖsterreich/dieOstmark–handelte. (Milotová 2002, 96)Als ‚Problem‘wirdhier jedenfalls inallendreiPunktennichtdieBeraubungder jü- dischen TschechInnen verhandelt, sondern deren negative Auswirkungen für nicht-jüdischeTschechInnen. Auch imFührer zur Kleinen Festungwird dieVerhandlungderArisierung gekoppelt andieBehauptung, ‚dieTschechen‘wärenalsnächste ‚anderReihe‘ gewesen: „Endziel der nationalsozialistischen Politik im Protektorat war die GermanisierungspolitikdesgesamtenhiesigenRaumes.DergrößereTeilderBe- völkerung sollte nach und nach beseitigt, der Rest dann eingedeutscht wer- den.“ (Blodig et al. 2009, 12) Der Führer enthält aber auch erstmals das Foto eines tschechischen Kollaborateurs der Protektoratsregierung, Minister Ema- nuelMoravec,„derzumSymboleinerkompromisslosenKollaborationmitden Nationalsozialisten und zum Symbol des Verrats der nationalen Interessen derTschechenwurde“ (Blodigetal. 2009, 10–11). Die zweiteErwähnungvonKollaboration imGhettomuseum-Führer betrifft dieProtektoratsgendarmerie,dieWachdienste imGhettoübernahm: Die gewöhnlichenMitglieder dieser Einheit verhielten sich in der überwiegendenMehrheit denGefangenengegenübermenschlichundoft fast solidarisch. InvielenFällenvermittelten sie unter großenGefahrenKontakte der Gefangenenmit der Außenwelt. Damit unterschie- den sie sich stark von ihren hohen Offizieren, den Kollaborateuren Oberleutnant Janeček (der bald die deutsche Schreibweise seinesNamens verwendete– Janetschek) und seinem NachfolgerLeutnantHasenkopf,diebeiderVerfolgungundPeinigungderGefangenenden AngehörigenderSS-Kommandatur innichtsnachstanden. (Blodig2003,32) Als die einzigen einheimischen Täter werden der nicht mehr als Tscheche ‚zählende‘ (im Kapitel über die staatssozialistische Ära bereits erwähnte) Ja- netschek sowie ein Leutnantmit einemdeutschenNamenpräsentiert. In der Ausstellung kommt diese Stelle ohne Externalisierung vonVerantwortung aus: „DerLagerkommandaturwurdeeineSonderabteilungderProtektoratsgendarme- 140 Blodig führt ineinerkritischenRezensiondesBuchesvonWolfGrunerüberDie Judenver- folgung imProtektoratBöhmenundMährenaus,worauf sichdieseThese stützt:Grunerwürde die tschechischenunddeutschenArisierungsversuchegleichsetzen,„obwohlderAutorweiter imText zugibt, bereits imSommer 1939sei klar gewesen,dassdie ‚Arisierung‘,wiees ineiner Beschwerde [Emil] Háchas beim Reichsprotektor hieß, ein Instrument der Germanisierung werde.“ (Blodig2017, 142) 4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 207
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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