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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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entlassen. 2014 zahlte danndas staatlicheMuseumfürmehrereMonate keine Gehälter an die MitarbeiterInnen aus, sodass kompetenteWissenschaftlerIn- nendie Institutionverlassenmussten. StaatssekretärAndrás LeventeGál ver- langte eine Neubewertung der Rolle Horthys, und immer wieder wurde eine Änderungdiskutiert. Eskamnur zueiner kleinen, etwaskuriosen: Einerderna- tionalistischenKritikpunkteanderAusstellungwar,dass imAbschnittüberden EntzugderRechtevonJüdinnenundJudenzwischen1920und1942BischofOtto- kárProhászkazusehen ist, derbeiderVerabschiedungdesantisemitischenNu- merusClausus 1920eineentscheidendeRolle spielte. Es sei illegitim,Prohászka, der 1927 gestorbenwar, nebenHitler, der 1933 andieMacht kam, auszustellen. (Molnár2012)ZwischenzeitlichwurdedasFotodesBischofsdeshalbdurcheinen Vorhangverhüllt,was jedochnurzurFolgehatte,dassdieBesucherInnenunbe- dingtwissenwollten,wassichdahinterverbarg,weshalbderVorhangraschwie- derentferntwurde. Konntemaninden2000erJahreninBezugaufdasHausdesTerrorsunddas Holocaust-GedenkzentrumnochvoneinergewissenPluralitätderGeschichtspoli- tik sprechen, einer Verklärung der ‚Wir‘-Gemeinschaft vs. einer selbstkritischen Aufarbeitung, soverschiebt Fidesz seit 2010diedominanteGeschichtserzählung mitallerKraft inRichtungdesbereitsausdemHausdesTerrorsbekanntennatio- nalistischenNarrativs. So ließ die Fidesz-Regierung imungarischenHolocaust- Gedenkjahr 2014, dem 60. Jahrestag der Deportationen, am Freiheitsplatz das „Denkmal für die Opfer der deutschenBesatzung“ errichten, das aufgrund von Kritik imVorfeldnachtsohneöffentlicheZeremonieenthülltwurde.Eszeigtden Erzengel Gabriel, der die kollektive ungarische Unschuld darstellt, wie er vom deutschenReichsadler attackiertwird. (Abb. 53) DieVerantwortungHorthys für die bereits vor seiner Absetzung erfolgte Deportation der ungarischen Jüdinnen und Juden wird somit gänzlich externalisiert und ‚Deutschland‘ zugeschoben. Obwohl die Presse- und Meinungsfreiheit in Ungarn seit 2010 immer weiter eingeschränktwird, rief dieseGeschichtsfälschung sichtbarenProtest hervor. Das vor demMahnmal bereits während seiner Bauzeit spontan entstandene Gegen-Mahnmal besteht bis heute–und zeigt beispielsweise Privatfotos von Holocaust-OpfernmitderBildunterschrift:„FamilieSpiegel, vomErzengelGa- brielnachAuschwitzdeportiert“. EinanderesFidesz-Projekt,dasebenfalls für 2014geplantwar, istdieEröff- nung eines zweiten Holocaust-Museums in Budapest. Im Gegensatz zum von hohenMauernumgebenenHolocaust-Gedenkzentrum inder engenPáva-Straße soll das weithin sichtbare neue Museum am Józsefváros-Bahnhof, von wo aus 1944 die jüdische Bevölkerung der Budapester Vorstädte deportiert wurde, das neueFideszscheHolocaust-Narrativ repräsentieren. (Abb. 54)DerName „Haus der Schicksale“ (Sorsok Háza) orientiert sich am Haus des Terrors. (Radonić 4.4 Seit2010:NeuesteEntwicklungeninpostsozialistischenMuseen 257
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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