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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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Bei einer Pressekonferenz über dieMuseumsplanung versuchte Gergely Gu- lyas, der Nachfolger Lázárs im Kanzleramt, der die Museumsagenda 2018 über- nahm,„Ängste“bezüglichdesdrohendenAusblendensungarischerMittäterschaft zuzerstreuen.Dochzeigtesichdabei,dasssichseinerEinschätzungnachdasVer- sagen des ungarischen Staates darauf beschränkte, seine jüdischenBürgerInnen nachder deutschenBesatzungnicht beschützt zu haben. (Zit. n. JerusalemPost, 16.9.2018) ImSeptember 2019 leakte danndie ungarischeWochenzeitungMagyarNa- rancsEMIHsVisionDocument, dasdieEMIHimJunides Jahresder IHRApräsen- tiert hatte. (Laczó 2019)AuchwenndieAusstellungalsonochnicht existiert, ist esmöglich,diesesKonzept zuanalysieren. Zunächst fällt der angesichtsdesGe- genstandes Holocaust ungewöhnlich fröhliche Ton des Konzepts auf: Die Ge- schichteder JüdinnenundJuden inUngarn„offersanextraordinaryopportunity to tell a rich, textured, engaging, relevant, and largely unknown story. It opens thedoor toweavingadistinctlyHungariannarrative, creatingan institutionand experience unlike any other.“ (EMIH 2019, 5) Die anonymenAutorInnenwollen Begeisterungschaffen („createabuzz“; EMIH2019, 11), indemsiedenFokusauf individuelleGeschichtenlegen,Emotionenhervorrufenundein„immersiveenvi- ronment“kreieren. Das Dokument versucht, einen Sinn imHolocaust zu finden und positive Schlüsse daraus zu ziehen.Wenn etwa „the worst exclusions of the war era“ erwähntwerden, so nur, um fortzufahren, dass sogar in dieser Periode „lively interactionsbetweenJewsandtheirneighbours“stattgefundenhätten.Dieanti- jüdischen Gesetze der 1930er Jahre werden vier Mal erwähnt, doch niemand wirdalsdafür verantwortlichbenannt.DiePfeilkreuzlerInnenwerdenerst zum EndederBroschürehinerwähnt,aberanstattals„ArrowCross“als„Hungarian Iron Cross Movement“ bezeichnet. YitzchakMais, der ehemalige Direktor des HolocaustHistoryMuseuminYadVashemundseit 2019Vorstandsvorsitzender desMuseums erklärte, dass der Englischlektor es bloß falsch korrigiert hätte. (Veszprémy2019)DieungarischeMitverantwortungkommtzweimalals„active collaborationof theHungarianauthorities“ (EMIH2019, 14), aber ohneweitere Details vor.Wie schonvonSchmidt geplant liegt auch lautdemKonzeptpapier der Fokus auf jüdischenKindernundungarischen ‚Judenrettern‘, den „unique personal storiesofHungarian rescuerswhochose,oftenat the riskof theirown lives, to followtheirconscience.“ (EMIH2019,9)ZielderAusstellungseies to strikeabalance, avoiding the implication thatHungarywas simplyavictimofoutside forces, while equally steering clear of indictingHungarian society as awhole.More im- portantly, suggesting collectiveblamecancreate a senseof hopelessness and/ordefensive- ness in visitors […]. Peoplewill understand the complexity of theHolocaust, andempathize 260 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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