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Rausch der Verwandlung
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Zusammenfassung Wir unternehmen dieses Wagnis und setzen dafür unser Leben ein, um frei zu leben, zumindest eine Zeitlang. Zu diesem Begriffe der Freiheit gehört auch menschliche Freiheit gegeneinander. Sollte aus innern oder äußern Gründen einem von uns beiden das Zusammenleben drückend oder unerträglich sein, so soll er sich klar von dem andern lösen. Jeder von uns unternimmt dieses Wagnis aus freiem Entschluß ohne Nötigung und ausgeübten Zwang auf den andern, jeder ist nur vor sich selbst verantwortlich, keiner darf je darum dem andern äußerlich oder innerlich einen Vorwurf machen. So wie wir das Geld von der ersten Minute an teilen, damit jeder frei bleibt, teilen wir auch die Verantwortung, die Gefahr, und übernehmen jeder für sich die Konsequenzen. Für die ganze zukünftige Gestaltung bleibt dies die Verantwortung vor uns selbst, daß wir in jedem Augenblick die Überzeugung haben, nichts Unrechtes gegen den Staat und gegeneinander getan zu haben, sondern nur das einzige, was in unserer Situation das Richtige und Natürliche war. Mit schlechtem Gewissen uns in eine solche Gefahr zu wagen, wäre sinnlos. Nur wenn jeder von uns, unabhängig vom andern, nach reiflicher Erwägung zu der Überzeugung kommt, daß dieser Weg der einzige und richtige ist, dürfen und müssen wir ihn einschlagen. Sie legt die Blätter hin und sieht auf. Er ist zurückgekommen und raucht eine Zigarette. »Lies es noch einmal durch.« Sie gehorcht, und erst als sie es noch einmal gelesen hat, fragt er sie: »Ist alles klar und übersichtlich?« »Ja.« »Fehlt dir irgend etwas darin?« »Nein, ich glaube, du hast an alles gedacht.« »An alles? Nein« – er lächelt –, »etwas habe ich vergessen.« »Was?« »Ja, wenn ich das wüßte. Etwas fehlt in jedem Plan. Irgendeine offene Naht ist bei jedem Verbrechen, man weiß nur im voraus nicht, welche. Jeder Verbrecher, so raffiniert er ist, begeht fast immer einen kleinen winzigen Fehler. Er räumt alle seine Papiere weg, nur seinen Paß läßt er liegen; er berechnet alle Widerstände, nur den offenkundigsten und selbstverständlichsten übersieht er. Immer vergißt jeder an etwas. Und wahrscheinlich habe auch ich das wichtigste zu denken vergessen.« 203
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Rausch der Verwandlung
Titel
Rausch der Verwandlung
Autor
Stefan Zweig
Datum
1982
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
204
Kategorien
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