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in den Folgejahren ein Gastarbeiter*innenregime eingeführt. Kurz zuvor
wurde die NS-Ausländerpolizeiverordnung und die reichsdeutsche Verord-
nung über ausländische Arbeitnehmer vom 23.1.1933866 wiedereingeführt
und so die NS-Ausländergesetzgebung im Großen und Ganzen weiterge-
führt.867
Bis 1967 wurden weitere Anwerbeabkommen abgeschlossen (Griechen-
land, Spanien, Türkei, Portugal und Jugoslawien), wodurch es zu einem
starken Anstieg ausländischer Arbeitskräfte kam.868 Die Konzeption der
ausländischen Erwerbstätigen als „Reservearmee“ trug maßgeblich zum Er-
lass des AuslG 1965 bei.869 In diesem manifestierte sich der Gedanke, dass
Gastarbeiter*innen grundsätzlich nur ein vorübergehendes Aufenthalts-
recht von einem Jahr zukam, das an die jeweiligen Arbeitgeber*innen ge-
bunden war. Wie bisher waren die zuständigen Behörden mit einem gro-
ßen Ermessensspielraum bei jeglichen Entscheidungen im Zusammen-
hang mit dem Aufenthalt ausgestattet.
Trotz der kurzen Rezession von 1967 stieg die Zahl der Gastarbeiter*in-
nen weiter an und erreichte ihren Höhepunkt 1973, wobei türkische
Staatsangehörige ab 1972 die größte Gruppe bildeten.870 Die ersten negati-
ven Auswirkungen des Gastarbeiter*innenregimes wurden in dieser Phase
bereits leicht spürbar. Nach und nach wurde klar, dass die Gastarbeiter*in-
nen – genau wie in Österreich – auf Dauer in Deutschland bleiben und au-
ßerdem ihre Familien nachholen würden. Eine Reaktion darauf war der
Anwerbestopp 1973, wobei die Ölkrise 1973 als Anlass für dessen Erlass ge-
nommen wurde. Aus diesem Grund begannen sich die deutsche Politik
und die öffentliche Debatte mit den langfristigen Folgen der nur als vor-
übergehend geplanten Zuwanderung auseinanderzusetzen. Ein Punkt war
etwa, welche Kosten für die soziale Einbindung, Arbeitslose oder Sozialhil-
fe anfallen würden. Mit dem besagten Anwerbestopp sollte der Zustrom
von ausländischen Gastarbeiter*innen aus Ländern, die nicht Teil der EG
waren, gänzlich gekappt werden.
866 RGBl 1933 I 26.
867 Vgl Kießling, ZAR 2016, 46.
868 Vgl Seifert, Geschichte der Zuwanderung nach Deutschland nach 1950
v31.5.2012, https://www.bpb.de/politik/grundfragen/deutsche-verhaeltnisse-ein
e-sozialkunde/138012/geschichte-der-zuwanderung-nach-deutschland-nach-1950
?p=all (30.6.2019).
869 Vgl Herbert, Ausländerpolitik 211f.
870 Vgl Luft, Die Anwerbung türkischer Arbeitnehmer und ihre Folgen v5.8.2014,
https://www.bpb.de/internationales/europa/tuerkei/184981/gastarbeit
(30.6.2019). A. Deutschland
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https://doi.org/10.5771/9783748902720, am 28.01.2020, 12:12:37
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
Regularisierungen irregulär aufhältiger Migrantinnen und Migranten
Deutschland, Österreich und Spanien im Rechtsvergleich
- Titel
- Regularisierungen irregulär aufhältiger Migrantinnen und Migranten
- Untertitel
- Deutschland, Österreich und Spanien im Rechtsvergleich
- Autor
- Kevin Fredy Hinterberger
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-0272-0
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 514
- Kategorie
- Recht und Politik