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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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ist die Verschwendung anBaumaterial, die durch schmückendes Beiwerk an Gebäudenverursachtwerde. Loos tritt zu einer Zeit auf den Plan, als sich, wie Bourdieu schreibt, die „Kunst ihrer selbst bewußt“geworden ist undmit „Verneinung,Ablehnung,Ver- zicht“aufdasbisdahinvorherrschendeDekor reagierte,welchesnuroberflächli- cheBefriedigungeinesvulgärenGeschmacksbedeutete.VerzierungenausZement undvergoldeteOrnamentewandeltensichmitderZeitzumAusdruckeinesphilis- terhaften Stilempfindens, weswegen sie, so Bourdieu weiter, von Verfechtern eines prätentiösen Geschmacks abgelehnt wurden.32 Loos’ Wirken in Wien ist gleichbedeutend mit dem asketisch-ethischen Einbruch in den ornamentalen MainstreamderWienerArchitekturlandschaft. ZwarkritisierteauchSchaukal„die nutzloseArbeit“desDekorierens, vondermansichbefreienmüsse,um„diePro- duktion zu vereinfachen“, sodassHandwerkermit geringerenMitteln höhereGe- winne erzielen.33Aber er beruft sichdabei nicht nur auf Loos, sondernvor allem aufeineArchitektur,wiesievordem„eisernenJahrhundert“ realisiertwordensei, also im 18. Jahrhundert, als Kirchen, Bürgerhäuser und Schlösser eine bauliche wie ästhetische Einheit gebildet hätten.34 Gemeint ist damit die architektonisch ausgedrückte, rigideStandesgliederung. DieVerbindungvonMoral,Sprachkritik,KulturkritikundArchitektur themati- siertSchaukalvorallemauch inseiner 1910veröffentlichtenEssaysammlungVom Geschmack.ImGegensatzzur„ehrlichenPhysiognomie“desfrüherenWienerStadt- bildes, trügendieStraßennun„einewiderlichgemeineMaske.“Dieshängedamit zusammen, dass sich damals eine „schön gestufte Gesellschaftsordnung“ in den Bauwerkenausgedrückthabe,dienunvon„Barbaren“und„unterdemGedränge der schändlichenAnkömmlinge“verschandeltwordensei.35 Loos spricht vonden tätowierten „papua“, die alle ihre Gebrauchsgegenstände verzieren.36 Schaukal greift dieseDiktionaufundbezeichnetdasOrnament andengeschmücktenBau- werkenWiensals„Hottentottenzier“,eineGleichsetzungvonZierdeundvermeintli- cherPrimitivität.37 In einer zwei Jahre später publizierten „grundsätzlichen Glosse“ stellt Schaukal die auch heute noch aktuelle Frage: „Wem gehört die Stadt?“Aus- 32 Bourdieu:Die feinenUnterschiede,S.357. 33 Schaukal: Gegen das Ornament. In: Deutsche Kunst und Dekoration, Bd. 22 (1908), S. 12–15,hierS. 15. 34 Schaukal: Vom ästhetischen Wesen der Baukunst. In: Deutsche Kunst und Dekoration, Bd.21 (1907),S.48–52,hierS.48. 35 Schaukal:VomGeschmack,S. 15. 36 Loos:OrnamentundVerbrechen,S.277. 37 Schaukal:VomGeschmack,S. 16. 90 II SchaukalsEinsatzmittel imSozialraum
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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