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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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gefühltundSiemögensichdenken,wiedrückendesmir ist, einzelneGedichte,dieSie für mein Empfinden restlos vollendet gegeben haben, durch andere Versuche darzustellen oder(waswahrscheinlichist)beiSeite lassenzumüssen. Ichwage danatürlich nicht, Sie umstimmen zuwollen undpersönlicheArgumente gegen die Ihren zu stellen, die, solange Ihr Empfinden vorhält, selbstverständlich einzigmaßge- bendesind. Ichwillnurwiederholen,dass ichIhrFernbleibensosehrbedauerealsmöglich undeinedemUnternehmenfreundlichereAuffassung–etwadie insichgeschlosseneNach- dichtungeines einzelnenGedichtkreises– sehrbegrüßenwürde.Die anSie ergangeneund sehr aufrichtig gemeinte Bitte um IhreMithilfe bleibt beimir bestehen und ichwäre sehr erfreut, fände sich doch eine Form, die sie Ihnen wünschenswert macht. Mit den besten EmpfehlungenIhrsehrergebenerStefanZweig.210 DieserBriefmusseinenSinneswandelherbeigeführthaben,daSchaukal (ineiner nichterhaltenenAntwort)zusagte,gleichzeitigaberauchseinenWunschmitteilte, die älteren Übertragungen vollständig zu erneuern. Damit dürfte wiederum der unter Zeitdruck stehendeHerausgeber nicht einverstanden gewesen sein, wie in derAntwortvom13.Mai1914zwischendenZeilendurchklingt: Sehr verehrter Herr Doktor [. . .]. Ich bewundere sehr Ihre Unduldsamkeit gegen sich selbst: mir erschienen die Übertragungen fast alle vollendet und ich staune eigentlich, dassSienochmals sieneumachenwollen [. . .]. DieÜbertragungen stellen sich jetzt lang- samein, ichhoffebaldÜbersichtzuhabenfürWahlundWunsch.211 NachdemSchaukal seineZusagezurMitarbeit erneutzurückgezogenhatte, rea- gierte Zweig am 25.Mai 1914mit einem langen, emotionalen Brief. Er gestand darin, vomPlan der Ausgabe anfangs selbst nicht begeistert gewesen zu sein. Doch als er sich die erfolgreiche Anthologie aus dem Jahr 1902 in Erinnerung gerufen habe, sei in ihmdieÜberzeugung gereift, dass sich auchÜbersetzun- gen durch einen ästhetischen Wert auszeichnen könnten. Um dem französi- schen Dichter gerecht zu werden und um zu zeigen, „wo unsere deutsche Sprachkunst in unserem Jahrhundert steht“, habe er die Anfrage des Insel- Verlagsangenommen.Wie sehrZweigüberSchaukalsästhetischeOrientierung informiertwar, beweist dieNennungder Schlegel-Tieck-ÜbersetzungenShake- peares, die für dessen translatorisches Selbstverständnis prägend waren. Sie würdeneindrucksvoll demonstrieren,wie erst das ZusammenwirkenvonDich- terndieFähigkeitendesEinzelnenübertreffe: Dasnunmöchte ichandiesemProblemVerlaine erproben–Siewissen selbst, dass es im LyrischenkeinenbesserenPrüfsteingibt.EinerprinzipiellenAblehnungderMitarbeitkann ichmich natürlich nicht verschließen. Nicht der Georges, der niemals seine Verse anders 210 BriefZweigsanSchaukal, 5.Mai 1914,S-NL,WB. 211 BriefZweigsanSchaukal, 13.Mai 1914,S-NL,WB. 4 Übersetzer-undAnthologiennetzwerke 145
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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