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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Seite - 163 -
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Kartenverkaufs für denSchaukal-Abend sei. Dieser beklagte sichbei Essigmann überSchaukalsEigenheit,nureineLesunganberaumenundvonWerbemaßnah- mengänzlichabsehenzuwollen.Essigmannversuchte,denFreundvonderNot- wendigkeitderReklamezuüberzeugen,schließlichwerdeselbst im„Judenblatt“, wie er dasWiener Journal bezeichnete, eine Anzeige geschaltet. Außerdem for- derte er Schaukal auf, eine Lesetournee durch die „Tschechei“ (Brünn, Prag, Troppau) in Betracht zu ziehen. Der befreundete Dichter und Publizist drängte demProtegéseineVermittlerdienstemitallemNachdruckauf: Dieser Zufall, dass IhrManager ein alterKameradvonmir ist unddassSieunder einan- der gefunden haben, ohnemeine Zuthun, erscheint mir wie eine Fügung Gottes. Denn nunkann ichmeineDienste als Puffer anbieten. [. . .] Sie halten vielleicht einen solchen Puffer überhaupt für überflüssig. Ich aber nicht! Sie sind in Punkto Berührungmit der Öffentlichkeit heikler zubehandeln als ein rohesEi.Unddazukommt, dass Sie in Ihrem tiefsten Innerndoch immer die größte undbreitesteÖffentlichkeit ersehnen, obwohl Sie sie (undmitRecht)verachtenundverachtenkönnen.279 Die Dichterlesung in der Secession verlief nicht sonderlich zufriedenstellend, einige der Besucher verließen bereits vor Veranstaltungsende den Saal. Essig- mannbegründetediesmit derGrößedesRaumes, der schlechtenAkustik, den zu hohen Eintrittspreisen und einem Programmfehler.280 Ein anwesender Re- dakteur schilderte seine Eindrücke des Abends im Neuen Wiener Journal folgendermaßen: Mansahvor sich einen sehr soigniertenHerrn, der inzwischenHofrat geworden ist, eine Gestalt wie aus einer Brummelästhetik [sic!], mit eingeklemmtemMonokel und einem eben so sonorenwieherrischemOrgan. Fürdie schönenGedichte konntemansichherz- licherwärmen;siesindzuweilenvonersterQualität.„Balthesser“wirkteschoneinwenig wie vieux jeu. Einige schöne Lieder sang Frau Gutheil-Schoder mit großer Anmut und Intelligenz.281 DiewechselseitigeÜberlagerung von diversen fiktivenwie realenDandytypolo- gien, vonGeorge Brummell (1778–1840) über Andreas vonBalthesser bis zuRi- chard Schaukal, war Teil der durchdachten Performance des Vortragenden. Ihr Effekt verfehlte seineWirkung zumindest auf denVerfasser des kurzenArtikels imNeuenWiener Journal nicht. Allerdings vertrat der Autor auch die geläufige 279 Brief Essigmanns an Schaukal, 25. Januar 1922, S-NL, WB; Hervorh. im Orig. als Unter- streichung. 280 Vgl.dieBriefeEssigmannsanSchaukalvom25. Januar1922und3.Februar1922,S-NL,WB. 281 [Anon.]:VortragsabendRichardSchaukal. In:NeuesWiener Journal,Nr. 10145 (3.Februar 1922),S.8. 5 Vereine,VerbändeundOrganisationen 163
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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