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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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Meinung,dassnurSchaukalsLyriküberdauernwerdeunddassdieLesungeiner nostalgischen Inszenierung gleichgekommen sei. „Schaukal gehört der Reihe jenerWiener Dichter an, die in den neunziger Jahren als Neutöner auftraten“, heißt es schon imerstenSatz.AuchbringtderArtikeldieVerbindungvonsozia- lerSubjektivierungundpoetischerVerortungzurSprache: Zu seinen aphoristischen Sachen zeigte er einen gewissen aristokratischen wie Kultur- hochmut. So kamdieser geistvoll soignierte Schriftsteller auf die Seite der Eigenbrötler. IndieserHaltungschrieber seinBuchvomHerrnv.Balthesser.Es istdies jetzt eineGeste vonvorgestern,derAesthetizismuseiner jetztgealtertenGeneration.282 MitBlickaufdieDichterlesung inderSecession tritt derWiderspruchzwischen Schaukals Elitebewusstsein und den geläufigen Marktmechanismen zutage. Immer wieder drängten ihn die sehr viel pragmatischer denkenden Freunde, Hilfe anzunehmen, um seine Handlungspläne, die in den 1920er Jahren ver- mehrt mit der Akquise von ökonomischem Kapital gleichbedeutend sind, zu erfüllen. GeradederBriefwechselmitEssigmannverdeutlichtSchaukalszunehmend prekäre Situation. In den Briefen vom 15. und 20. August 1919 besprechen sie die Brennholzbeschaffung für den „unter Heizkalamitäten“ leidenden Freund, wie sich Essigmanndiskret ausdrückt.283 Der einstige Förderer und finanzielle Unterstützer wurde mehr und mehr selbst zum Bittsteller. 1936 wandte sich Schaukal mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an Theodor Herzmansky (1900–1974), einen Freund seines Sohnes Wolfgang und wie dieser Schüler AntonKoligs. In einemzweitenBrief nahmer dasAnsuchen beschämtwieder zurück.284 Auch soziale Rendite bezog Schaukal zu dieser Zeit nur noch aus dem nostalgischen Kapital. Am 17. November 1940 suchte seinerseits Herz- mansky Schaukals Kontakt, da er den Altwien-Film Ein Leben langmit Paula Wessely (1907–2000) gesehen hatte und an die Zeit vor demErstenWeltkrieg erinnertwordenwar. Schaukal, soHerzmanskyein JahrnachBeginndesZwei- ten Weltkrieges, sei für ihn das „Symbol“ und „Wahrzeichen“ einer glückli- cherenEpoche.285 Die ökonomischen Misslichkeiten dürften von der Öffentlichkeit zunächst unbemerkt geblieben sein. Schaukal verkörperte auch nach Ende des Ersten WeltkriegesnochdenaltösterreichischenHofratstypus, sodasNeueWiener Jour- 282 [Anon.]:VortragsabendRichardSchaukal. 283 BriefEssigmannsanSchaukal, 11.Dezember1918,S-NL,WB. 284 Vgl.denBriefHerzmanskysanSchaukal, 12.August 1936,S-NL,WB. 285 BriefHerzmanskysanSchaukal, 17.November1940,S-NL,WB. 164 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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