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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Seite - 178 -
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zeigte.336 1902 setzte derBriefwechsel Schaukals sowohlmit Kubinals auchmit Hans vonMüller ein. Das Bindeglied zwischen Kubin und Schaukal war Franz Blei, wie Schaukal 1903 in einem Kubin gewidmeten Aufsatz vermerkt.337 Blei vermittelteauchHansvonMüllerandenInsel-Verlag inLeipzig,wodiesereben- falls 1903DasKreislerbuchveröffentlichte.338 Wie entscheidend gerade die künstlerische Szene in München für Schau- kals Vernetzung im Neuromantik-Kreis war, belegt die von Blei ausgehende undvonKubinüberbrachteAufforderung,derFreundmöge imdortigenAkade- mischenVerein fürbildendeKünsteeinenVortragüber ihnhalten.339 Der 40 JahrewährendeBriefwechsel zwischenSchaukal undKubin ist von gegenseitiger künstlerischerWertschätzung und derselben skeptisch-solitären Attitüde geprägt.340 In den ersten beiden Jahren sinddie Briefe Kubins, der in dieserZeit seineEhefrauverlorundunter finanziellenNöten litt,melancholisch unddüster.DieWesensverwandtschaft derKorrespondenzpartner lässt sich an Aussagen wie dieser bemessen: „Hier hat gestern der Carneval angefangen [. . .], eine fette Zeit für jeden Pessimisten. [. . .] [J]e lustiger es zugeht um so ärgerblick ichundmeinHass,eineunmenschlicheWuthgegendieseverbuhlte Bande [. . .]–einfach jederMensch istmeinpersönlicherFeind.“341 Die pessimistische Grundstimmung in Kubins Briefen hellte sich ein Jahr später wieder auf, als er erneut heiratete und sich seine finanzielle Situation aufgrund künstlerischer Erfolge zu bessern begann. Zu dieser Zeit machte er Hans vonMüller mit Schaukal bekannt; beide beschäftigten sich intensivmit Hoffmann und ließen sich von diesem zu literarischen Adaptionen inspirie- ren.342Kubinnahman ihremWerk regenAnteil.AlsSchaukal ihmdieBefürch- tungmitteilte, der anerkannte Experte könnte ob seiner 1904 veröffentlichten Hoffmann-Studie indigniert sein, zumal er keine Reaktion auf die anMüller gesandtenWerke erhaltenhatte, beruhigte ihnderMaler.343Kubin zählte zu 336 Diesen Hinweis verdanke ich Karl Koweindls Kommentar zum unveröffentlichten Brief- wechselKubin–Schaukal. 337 Vgl. Schaukal: Ein österreichischer Goya. In:Wiener Abendpost. Beilage zurWiener Zei- tung,Nr. 2/1903 (3. Januar 1903),S. 7. 338 Das Kreislerbuch. Texte, Compositionen und Bilder von E.T.A. Hoffmann. Zusammenge- stellt vonHansvonMüller.Leipzig1903. 339 ZueinemsolchenVortragdürftees jedochnichtgekommensein;vgl.denBriefKubinsan Schaukal, 17.November1902,S-NL,WB. 340 Vgl.Koweindl:AlfredKubinundRichardvonSchaukal. 341 BriefKubinsanSchaukal,8. Januar1903,S-NL,WB. 342 Vgl. Schaukal: Kapellmeister Kreisler. DreizehnVigilien aus einemKünstlerdasein.Mün- chen/Leipzig1906. 343 Vgl.denBriefKubinsanSchaukal, 16.November1904,S-NL,WB. 178 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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