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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Seite - 182 -
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Brods erster Brief an Schaukal datiert auf den 19. Februar 1906,wobei der gemeinsameFreundHugoSalus als Referenz für die Kontaktaufnahmediente. DerBriefwechselmit Brodähnelt demmitHermannHesseund ist für dieAna- lyse von Schaukals Selbstverständnis als Schriftsteller und für seine Reaktion auf ein Stagnieren im literarischen Feld äußerst aufschlussreich. Wie Hesse suchteauchBrod inSchaukal einenästhetischenVerbündeten,der alsKritiker in der Lagewar, seine Dichtkunst zu propagieren. Beidewandten sich zu Be- ginn ihrer Korrespondenzen verehrungsvoll an den Vermittler und Förderer Schaukal, mit dem eine kognitive sowie ästhetische Basis bestand, die sich auf den Begriff Neuromantik subsumieren lässt. Bald überflügelten sie aber Schaukals Reputation, wodurch sich die Haltung der Briefeschreiber zueinan- der merklich wandelte. Schließlich endeten jene Korrespondenzen zu einer Zeit, als SchaukalsdichterischeErfolge insgesamtzurückgingenundsichseine Netzwerkeausdünnten.356 ImZugeseinerKontaktaufnahmezuSchaukalbedankte sichMaxBrodAn- fangSeptember1906 fürdessen„braunäugigeZeilen, [. . .] [die] indiesenTagen der Einsamkeit und schwülen Kühle wie Melodien gekommen [sind].“ Damit dürfte er den richtigenTon angeschlagenhaben. Bescheiden fuhr er fort, dass es bisher still um ihn und um seinWerk gewesen sei, umdann zu ergänzen: „EswirdSievielleicht interessieren,daßBlei,Meier-Graefe,Zweig, JosefPopper ähnlich geurteilt haben [über Brods literarischeQualität, CM]wie Sie“ – aller- dingsnichtöffentlich, sondern„inBriefenanmich . . .“.357 Der Kontakt zu Brod sollte sich für Schaukal bald schon bezahltmachen, publizierte dieser doch 1906 eine Rezension der Novelle Kapellmeister Kreis- ler358undkurzeZeit spätereineBesprechungder1907publiziertenEssaysamm- lungMietwohnung inderBerlinerGegenwart.359 Schaukals StudieüberRichard Dehmels Lyrik diente Brod zudem als Quelle für einen Vortrag in der Prager Kunstausstellung.360 Gleichzeitig entstanden die ersten, für Schaukals Habitus und Vorgehen als Briefeschreiber so bezeichnenden Spannungen. Schaukal be- gann,DebattenüberKunstund ‚Rassenpsychologie‘zuentfachenunddieproduk- tiven Fähigkeiten jüdischer Künstler generell infrage zu stellen. Brod reagierte versöhnlich, wehrte sich aber gegen die ästhetisch kaschierten antisemitischen 356 DerBriefverkehrmitHessedauertevon1903bis1910,mitBrodvon1906bis1913. 357 BriefBrodsanSchaukal,5.September1906,S-NL,WB. 358 Vgl.MaxBrod:CapellmeisterKreisler. In:DieGegenwart,Bd.70 (1906),S.348. 359 Vgl. denBrief Brods anSchaukal, 2. Dezember 1906, S-NL,WB;Brod:DieMietwohnung. In:DieGegenwart,Bd.71 (1907),S. 206–207. 360 Vgl.denBriefBrodsanSchaukal, 24.Februar1908,S-NL,WB. 182 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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