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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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für die Studenten in ein Gefühl der Ablehnung.463 Schaukal sollte von der Mehrheit derWiener Literaten enttäuscht bleiben. Einzigmit Kraus undAlten- berg, die für kurze Zeit demKreis des JungenWiennahestanden, verkehrte er noch inspäterenJahren. 1934betonteSchaukal: ManhatmichoftgedankenloszursogenanntenWienerLiteraturgezählt.Nichtskannfal- scher sein. Ich habe dieser schwülen [. . .], aus demFeuilleton stammenden und immer wieder zur Zeitung zielenden, imübrigenmit der Bühne tändelnden, überwiegend jüdi- schenSchriftstellerei– inder ichden seelenvollenDichter PeterAltenbergund [. . .] Karl Krausmit nichten begreife– nur eine kleineWeile als junger neu-gieriger Ankömmling meine Aufmerksamkeit geschenkt, bin ihr [. . .] ausgewichen und hinfort, innerlich wie äußerlich, ferngeblieben.464 Allerdings verlief dieWertschätzung asymmetrisch. Zwar besprach Karl Kraus bereits 1893SchaukalsLyrikdebütGedichte,dochkonnteer sichdenSpottüber diediffuseästhetischeAusrichtungnichtverkneifenundriet ihmironisch,„die Stimmungskarriere“ einzuschlagen.465Die ihmvonSchaukal überreichten,mit persönlichen Widmungen versehenen Bücher quittierte der Herausgeber der Fackelmit kurzenDankes-Telegrammen. In einem späteren Schreiben betonte Schaukal, dass Kraus der einzige deutschsprachige Schriftsteller sei, von dem er jede Zeile lese undden er über alleMaßenwertschätze. „Sie sindnicht nur eine künstlerische Potenz, sondern ein ethischer Wert in dieser Sauzeit“, so Schaukal in einemSchreibenEnde 1913.466AuchwennKrausnie ausführlicher auf die Briefe reagierte, so zählte er den gleichaltrigenBewundererwegen sei- nerAphorismenzuden „heimischenLyrikern, diedurchZeilenwertvoller sind alsdiebeliebterendurchBücher.“467 Kraus’ satirisch pointierter Stil färbte auf Schaukals Aphoristik ab.468 Die SinnsprüchebrechendieSyntaxgeläufigerRedewendungenaufundverkehren ihrenSinn insGegenteil, so etwa inSchaukalsWendung„Hochstapelei kommt nachdemFall“, oder sie thematisierendieGeschlechterrollenmit einer für die Zeit typischen misogynen Tendenz, wenn Kraus schreibt: „Manmuß endlich 463 Schaukal:KarlKraus,S. 19. 464 Schaukal:BeiträgezueinerSelbstdarstellung,S.46. 465 KarlKraus:WienerLyriker. In:DasMagazin fürLitteratur, 62. Jg.,Nr. 31 (5.August 1893), S.499–500. 466 BriefSchaukalsanKraus, 1.Dezember1913,S-NL,WB. 467 KarlKraus:DerReim. In:DieFackel,Nr. 757–758(April 1927),S. 1–37,hierS. 28. 468William M. Johnston zählt Schaukal zu den bedeutenden Aphoristikern seiner Zeit; vgl. Johnston: Karl Kraus und die Wiener Schule der Aphoristiker. In: Literatur und Kritik, H.211–212 (1987),S. 18–19. 8 WienerNetzwerke 205
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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