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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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Wahnsinnverfällt.SchaukalsProsaorientiert sichanE.T.A.HoffmannsKunstmär- chen, vor allem am Goldenen Topf mit seinen zwei möglichen Lesarten, der magisch-märchenhaftenundder realistisch-pathologischen.AuchSchaukalsProt- agonist ist einSchlafwandler zwischenzweiWelten.DiederRealität offenbartdie gängigenMacht- undHerrschaftsverhältnisse zuMathias’Ungunsten, die andere ist ein erotisch-märchenhafter Traum, indemder Protagonist letztenEndes auch physisch verharrt. Die prekäre Situation führt imweiterenVerlauf der Erzählung alsonicht zu einemsubversiven Impetus, siemündet in Introspektion, Selbstzer- störung und Eskapismus. Der Fluchtpunkt ist eine ästhetische Scheinwelt, das SchlossderhundertLiebhaber, indessenZentrumdiePhantasmagoriederverfüh- rerischenGräfinDecertisteht:„EinSchloßentstandvordesBuckligenSeele.“486 Anstatt einerbenachteiligtenKlasse literarischGehörzuverschaffen,wasbei Schaukal immerhin angedeutet wird, bleibt die unterprivilegierte Bevölkerungs- schicht inseinerErzählungkonturlosundstumm.Dies isteinWesenselementder WienerModerne, das in Hofmannsthals auf den 1. Mai 1890 datiertem Jugend- Gedicht „Tobt der Pöbel indenGassen, ei,meinKind, so laß ihn schrei’n“Aus- druckfindet.487 Schaukal undHofmannsthal ging es in ihrer dichterischen Frühphase um dieGegenüberstellungvonKunstundAlltag,nichtumdiesozialeFrage.488Das Proletariat flößte beiden Unbehagen ein und das Individuum stellte etwas zu Komplexes in den Augen der Dekadenz-Dichter dar, als dass es zum Produkt seines Milieus hätte erklärt werden dürfen. Richard Schaukal war sich 1906, demJahrderEntstehungvon „Mathias Siebenlist“, gleichwohlder Zwecklosig- keit einer reinästhetischenWeltabwendungbewusst,undso istdieNovelle zu- gleichalsKritikandie radikaleVerinnerlichungzulesen.489 Auch für Hofmannsthal waren es gerade die Wahnsinnigen, die in die „geistigeSouveränität“und„Praeexistenz“entfliehen,womitderDichterunter anderem einen glorreichen, „aber gefährlichen Zustand“mancher „Auserlese- ner“meinte, die durch „Supposition des quasi-Gestorbenseins“ das „Ich als 486 Schaukal:MathiasSiebenlist,S. 147. 487 AuchRichardSpecht legt in seinerBiographieüberSchnitzlerdiemangelndeSozialkritik in dessenWerk offen; vgl. Specht: Arthur Schnitzler. DerDichter und seinWerk. Eine Studie. Berlin1922,S.63–64. 488 Vgl. LiborMarek:DieErfahrungderModerne imWerkRichardvonSchaukals. Zlín 2011, S.61. 489 Vgl.Marek:DieErfahrungderModerne imWerkRichardvonSchaukals,S.81. 210 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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