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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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genĂŒberbewieser sogardie seltengezeigteFĂ€higkeit, sichkritisierenzu lassen.529 Die Ă€sthetischeZuneigungzuHolzverdeutlicht vorallemaberSchaukalsambiva- lente literarischeAusrichtung,diemitneuenpoetischenFormenhaderte, sie aber auchnicht ausblendenkonnte.DieAngleichungder lyrischenSpracheandiena- tĂŒrlicheAusdrucksweise undder bisweilennaturwissenschaftlicheCharakter von Holz’Lyrik opponierten zwar zuSchaukals symbolistischenGedichtender frĂŒhen Phase.DiePoetikdesPhantasus-AutorsgingallerdingsnichtmitdemBerlinerNa- turalismuskonform,wieSchaukal erkannte.Ähnlich JensPeter Jacobsen,dender österreichische Dichter immer wieder als Einflussgeber erwĂ€hnte, deutete auch Holz den Naturalismus-Begriff ganz individuell. Er und Jacobsen entwickelten eine eigenstĂ€ndige Form des Naturalismus, die das prĂ€zise Betrachten in den Mittelpunkt rĂŒckteunddamit auf den Impressionismusvorgriff.530Die „Technik des genauen Hinsehens“war ebenso wie die Innenschau und subjektivistische Auseinandersetzungentscheidend fĂŒr eineneuePoetikvieler jungerDichter,531 so auch fĂŒrBeer-Hofmann, der sich in seiner frĂŒhenProsaundLyrik auchals „Ver- innerlicher“desNaturalismus zeigte.532Die Schriftsteller inWienvermengtendas BerlinernaturalistischeModellmit europĂ€ischenunddennachwievorprĂ€senten österreichischenEinflĂŒssen vonBiedermeier bis Realismus; daraus resultierte die polymorphe literarischeSituation jener Jahre,diespĂ€testensab1892zurFormulie- rungunterschiedlicherPositionenzumNaturalismusundzuanderenĂ€sthetischen Fragen fĂŒhrte.533 Auchdeshalb ist bis in die gegenwĂ€rtige Forschunghinein eine literaturhistorische Spannungwahrnehmbar, die zwischen gesamtdeutscher Ein- ordbarkeit der Literatur jenerEpocheund– vor allemmitBlick auf denNatura- lismus – der Verortung eines österreichischen ‚Sonderwegs‘ schwankt.534 EdmundWengraf,FriedrichMichaelFels (ca. 1864–1899),KarlKrausundandere hielten aneiner FormdesNaturalismus fest,wiemansie ausheutiger Sicht am ehestenmit der Strömung in Berlin in Verbindung bringt. Hofmannsthal, Leo- pold von Andrian, Beer-Hofmann, Schnitzler und Bahr suchten hingegen nach neuenAusdrucksmöglichkeitendurchdieÜberwindungdesNaturalismus.535Die 529 Vgl.denBriefHolz’anSchaukal, 5.April 1901,S-NL,WB. 530 Vgl.Wunberg:Das JungeWien,S.LXXVI. 531 Lorenz:WienerModerne,S.47. 532 AntonMayer:Theater inWienum1900.DerDichterkreis JungWien.Wien1997,S.99. 533 Die Unstimmigkeitenwurden durch die einzige TheaterauffĂŒhrung des ‚Vereins fĂŒrmo- dernesLeben‘ausgelöst.Gespieltwurde imMai 1892 imTheater inder JosefstadteineÜberset- zungvonMaeterlincksL’Intruse; vgl.Lorenz:WienerModerne,S.52. 534 Vgl. zuletzt Roland Innerhofer undDaniela Strigl: Einleitung. In: Sonderweg inSchwarz- gelb? Auf der Suche nach einemösterreichischenNaturalismus in der Literatur. Hg. vonRo- landInnerhoferundDanielaStrigl. Innsbruck2016,S. 7–17. 535 Vgl.Lorenz:WienerModerne,S. 52–54. 8 WienerNetzwerke 221
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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