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EinflüssedesSymbolismusundImpressionismus,aberauchdernaturalistischen
Mittel, übten auf Schaukal einen nicht zu unterschätzenden Effekt aus. „Der
Symbolist muß den Naturalisten verstehen“, meinte Schaukal, um dann spöt-
tischen Auges auf die Kategorisierungs- und Begriffsmanie blickend fortzufah-
ren: „[I]chhassedieseSchlagworte,weil sie ganz zertretenunddeformiert sind,
aber sie sindwenigstens Prägnanzsurrogate“536 Auch in dieser Hinsicht entwi-
ckelte er sein schriftstellerischesBewusstseinparallel zudemdes JungenWien:
„[D]asUnbehagenamNaturalismus, ohne ihm jedochetwasBesseres entgegen-
setzen zu können,war letztlich Tenor undStimulanz der gesamtenWiener und
österreichischenLiteratur imletztenJahrzehntvorder Jahrhundertwende;eswar
ihrAusgangspunkt“, soGotthartWunberg.537
Dies drückte sich in einer ambivalenten Auseinandersetzung der Jung-
WienermitdenösterreichischenAutorendervorangegangenenGenerationaus.
Saarwar,wiedargelegt, ein Idol fürHofmannsthal,SchnitzlerundSchaukal.538
DerNovellist desRealismus, der in einem trübsinnigenBrief vom22. Juni 1906
an Ebner-Eschenbach fatalistisch zur Kenntnis nahm, dass die Zeit über ihn
„bereitshinweggegangen“ sei,539war sowohlOrientierungspunkt einervergan-
genenErzähltradition,alsauchZielmancherKritik, vorallemwasdieLyrikbe-
traf.540 Im selben Brief urteilte Saar über Schaukal: „Unlängst schrieb ein
‚Junger‘ im ‚Litt=Echo‘: man könne mich, den alten vornehmen Herrn, nur
mehr ‚historisch‘betrachten.Gegen eine solche ‚Eselei‘kämpftmanvergebens
an.Also: sei’s!“541
9 Resümee:ErfolgundMisserfolg–
eineNetzwerkangelegenheit
Mit Blick auf das München-Netzwerk, in das Schaukal integriert war, ergibt
sich folgendeSchnittmengeanAutoren,die fürdieselbenKunst-undLiteratur-
zeitschriften der Stadt Beiträge verfassten sowie mit Schaukal und zum Teil
536 Schaukal: IntérieursausdemLebenderZwanzigjährigen. In:WE.Bd.2,S. 169–170.
537Wunberg:DasJungeWien,S.LXXXIV.
538 Vgl.Lorenz:WienerModerne,S.43;Specht:ArthurSchnitzler,S.97.
539 Brief Saars anEbner-Eschenbach, 22. Juni 1906, in: Kindermann (Hg.): Briefwechsel zwi-
schenFerdinandvonSaarundMarievonEbner-Eschenbach,S. 157.
540 Vgl. zumBeispiel Schaukal: EinMeister der Novelle; bei allem Lob äußert er Einwände
gegenSaarsLyrik.
541 Brief Saars anEbner-Eschenbach, 22. Juni 1906, in: Kindermann (Hg.): Briefwechsel zwi-
schenFerdinandvonSaarundMarievonEbner-Eschenbach,S. 157–158.
222 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Titel
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Autor
- Cornelius Mitterer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 312
- Kategorien
- Weiteres Belletristik