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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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soziale Partei vor, die gegen die „Masse der Proletarier“mehr ausrichte als „tausendeinzelne“.563 Kurz darauf ließ Schaukal auch dieses Vorhaben fallen, wozu ihm Essig- mannmerklicherleichtertbeglückwünschte.Bereitsam6.Dezember 1918hatte ergeraten,Schaukal solle einen„Strohmann inspirieren“,wenner„aufdieGe- staltungpolitischerDinge einwirkenwolle“.564 Auch einen agitatorischenAuf- ruf andieDeutschösterreicherweigerte sichEssigmann zuunterzeichnenoder imGewissen abzudrucken.565 Schaukals politischesWirken blieb also auf den kulturellenBereichbeschränkt. SeinepolitischenBemühungenstießen imBekanntenkreismitunteraufnega- tive Resonanz. Arthur Schurig zählte zu den größten Skeptikern von Schaukals Engagement nach demKrieg, an demdieser als Offizier an der Front in Belgien undFrankreichteilgenommenhatte,währendSchaukalaufgrundeinesMagenlei- dens und seiner höheren Beamtenposition nicht einberufen worden war. Er konnte nicht nachvollziehen, warum sein Dichterfreund politische Artikel ver- fassteundnunsogarPolitikerwerdenwollte,566denndieTätigkeit impolitischen FeldwürdedieChancenauf literarischenErfolgdrastischsenken.567Schurigprog- nostizierte Schaukal, dass sich seinAntisemitismushinderlich auf dieVerlagssu- cheauswirkenwerde. Zwarwollte er sichbeiKippenbergwegeneinermöglichen Publikationeinsetzen,zugleichgaberaberzubedenken:„IhrepolitischeTätigkeit passt nicht in die Insel.“568 Der Briefwechsel zwischen Schurig und Schaukal nahmüberdie Jahre einenschrofferenTonan,dieKonflikte entzündeten sichan deraufdenMarktundnichtaufwissenschaftlicheEditionsrichtlinienausgerichte- ten Chamisso-Ausgabe, die Schurig 1920 herausgegebenhatte. Inoffiziell dürften aberauchSchaukalspolitischesEngagementunddieEnttäuschungdarüber,dass Schurig ihnnichtandenInsel-Verlagvermittelnkonnte, ausschlaggebend fürdie Entfremdunggewesensein. Ineinemder letztenBriefe schreibt erSchaukal: „Ich empfinde geradezuAbneigung,wenn ich Ihre journalistischenErgüsse lese.Und ichverliere fastdenMut, IhreGedichte,die icheinstgerngelesenhabe, jewieder indieHandzunehmen,weil ichdieVisionvomPolemiker Schaukal dabei habe undmirderKünstlerentschwebt.“569 563 BriefEssigmannsanSchaukal, 16.Dezember1918,S-NL,WB. 564 BriefEssigmannsanSchaukal,6.Dezember1918,S-NL,WB. 565 Vgl.EssigmannsBriefanSchaukal,9.Dezember1918,S-NL,WB. 566 Vgl.denBriefSchurigsanSchaukal, 28. Januar1919,S-NL,WB. 567 Vgl.denBriefSchurigsanSchaukal, 19.Dezember1919,S-NL,WB. 568 Brief Schurigs an Schaukal, 24. August 1919, S-NL, WB; Hervorh. im Orig. als Unter- streichung. 569 BriefSchurigsanSchaukal, 10. Juli 1921,S-NL,WB. 10 Exkurs:SchaukalalsVermittlerzwischenKunstundPolitik 231
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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