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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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Ein weiterer ideologischer Gesinnungsgenosse Schaukals war der zu Leb- zeiten vielgelesene, heute nahezu vergessene Schriftsteller Emil Strauß. Der Freund von Hermann Hesse wechselte seit 1902 bissige Briefe mit Schaukal, dessenBücher er als „artistisch conventionelleManier“ einer ästhetizistischen Modeabkanzelte.570SchaukalsKontaktaufnahmeistunteranderemdamitzube- gründen,dassStraußbereitseinangesehenerAutordesFischer-Verlagswar.Der Briefwechsel wurde unregelmäßig fortgesetzt, bis es aufgrund einer Negativre- zension1923zumBruchkam.StraußhatteSchaukal seinDramaVaterlandzuge- schickt, und dieser kritisierte die dramenästhetischen Schwächen harsch: Das Theaterstück sei „gestalteteundkonstruierte Litteratur“, enthalte „zuviel unbe- lebtes Ideematerial“, imitiere bereits existierendeStücke, sei reine Tendenzund im Grunde genommen nicht mehr wert als das Papier, auf dem es gedruckt wurde;nachdemerstenAkthabeeraufgehört zu lesen. SchaukalsKritikpunkte sind nicht im Original erhalten, doch Strauß zitierte sie im Antwortschreiben. Ausdiesemgehtnichthervor, obSchaukalsKritik vordergründigauf technische Schwächen oder auch auf die darin anklingende nationalsozialistische Position des Verfassers abzielte. WenigeWochen nachHitlers gescheitertem Putschver- such inMünchenwarf StraußSchaukal imGegenzugvor, nicht zwischenGesin- nungsfreundundFeindunterscheidenzukönnen: Sie gehenmitHerren, die fünfzig oder hundert Jahre tot sind, unentwegt verehrungsvoll mit durch ihre bedenklichen Langweilereienundhabennoch ein begütigendesWort für ihre ödesteRoutine (ichmeineStifter undHoffmann, die ich sehr verehre), aberwir, die wir in so viel ungünstigerer [. . .] Zeit arbeitenmüssen,wir haben solcheNachsicht und Einfühlungvielnötiger [. . .].571 Schaukals kulturpolitischer Aktivismus nahm zu Beginn der 1920er Jahre zu understreckte sichvor allemaufÖsterreich.Diesdrückte sichauch indenab Mitteder 1920er JahreausgestrahltenRadiobeiträgenaus. SosprachSchaukal zum Beispiel 1927 gemeinsammit Emil Lucka (1877–1941) über die Arbeits- plänederWienerVolksbildungsanstalten.572 EinenAktder Solidaritätmit der politischen Führung inWien stellten seine „Weiheverse zur Enthüllung des Denkmals für Dr. Karl Lueger“ (1844–1910) dar. Das für den am 18. Septem- ber 1926 im Burgtheater abgehaltenen Festakt verfasste Gedicht wurde am 570 BriefStrauß’anSchaukal,August 1902,S-NL,WB. 571 BriefStrauß’anSchaukal,Dezember1923,S-NL,WB. 572 DieAusstrahlungerfolgteam28.Mai 1927um18:05UhrunddauerteeineStunde.Vgl.die Ankündigung in der Arbeiter-Zeitung vom 22. Mai 1927, S. 11. Die Mitteilungen der Richard- Schaukal-Gesellschaftverzeichnenzwischendem9.November 1934unddem7.April 1936 ins- gesamt8Radiovorlesungen fürdenWienerRundfunk (RAVAG). Schaukal sprachüberDichter undlaseigeneGedichtevor. 232 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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