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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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nächstenTag inderReichspostabgedruckt.573 Inden1920er Jahrenbegrüßten nationale Zeitungenwie dieReichspost, „daß immer stärker der Österreicher in ihm durchbricht. Angeleimte und angeklebte Schlacken fallen allmählich ab, der Kern liegt offen glühend zutage und die Umwege führten doch zum Ziel:dasösterreichischeHerzpulstunsentgegen.“574 SchaukalsEinsatz fürdieBewahrungundfürdieBewahrereiner„legitimen“ Kultur (Bourdieu) richtete sich dabei vor allemund immerwieder gegendas Ju- dentum. SeineAntisemitismen sindAusdruck einer Strategie der Neupositionie- rung im künstlerischen Feld, das von einer starken Spannung aus Etablierten undsichEtablierendenbestimmtwar.Dassdiese inallenFeldernausgetragenen Kämpfenicht einfachnurgenerationalenUrsprungswaren (JunggegenAlt) oder auf ungleichem Einkommen beziehungsweise unterschiedlichen strukturellen Mittelnberuhten (ReichgegenArm), ist einentscheidenderPunkt.DieAuseinan- dersetzungen im literarischen Feld wurden am erbittertsten zwischen Personen derselben Schicht geführt, weil ihre Voraussetzungen ähnlich waren und ihre Machtinstrumente–Kapitalvolumenund-struktur–kaumdivergierten.Diemaß- gebliche Differenzierung erfolgte unter anderem über nicht rational vollzogene Unterteilungen in christlich-deutschnationale und imweitesten Sinne ‚jüdische‘ Akteure.KarlLuegersAusspruch„WereinJudist,dasbestimmeich“untermauert diesezynischeGrundhaltungeinerDistinktionsweise,575dienichtnur fürdiePoli- tik, sondern auch für den kulturellen Bereich galt. Dort, wo soziale Distinktion nichtmöglichwar,weil sichdieAkteure strukturell zusehrähnelten,wurdeeine ethnisch-religiöse Grenze gezogen. Profilierung erfolgte über hetzerischeAbwer- tungsdiskurse.Darin liegteineParallelezurgegenseitigenDiskreditierungvonin- tellektuellen Frauen und jüdischen Männern um 1900, die damit das Ziel verfolgten,überdieAusgrenzungdesanderensichselbstzuprofilieren.576 Die antisemitischen Bekundungen Schaukals sind Teil eines diskursiven KampfesmitAkteuren,dievielleichtwirklichbesservernetztwarenoderganz generell eine vorteilhaftere Kapitalsortenstruktur aufweisen konnten. Sein Essay Karl Kraus. Versuch eines geistigen Bildnisses kann in diesem Zusam- menhangalsAusdruckverborgener rassistischerDiskursebezeichnetwerden; 573 Vgl. Schaukal:Weiheverse. Zur EnthüllungdesDenkmals fürDr.Karl Lueger. In: Reichs- post,Nr. 256/1926 (19.September1926),S. 15. 574 Dr.M.Enzinger:HoffnunginÖsterreich. In:Reichspost,Nr.74/1923 (17.März1923),S. 1. 575 Vgl. JudithFritz:„Werein Jud ist, dasbestimme ich“. Der christlichsozialeAntisemitismus Karl Luegers. https://ww1.habsburger.net/de/kapitel/wer-ein-jud-ist-das-bestimme-ich (zuletzt aufgerufenam31. Juli2019). 576 Vgl.ChristinavonBraun:VersuchüberdenSchwindel.Religion,Schrift,Bild,Geschlecht. Zürich2001,S.497. 10 Exkurs:SchaukalalsVermittlerzwischenKunstundPolitik 233
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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