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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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Bereits in frühen kritischen Essays undBüchernwieGiorgioneund Literatur argumentiert Schaukal zudemgegendiemarktwirtschaftlichePartizipationseiner dichtenden Kollegen an den Entwicklungen der Kunst, weil er eine bürgerlich- merkantile– in diesemKontext auch jüdische–Vereinnahmungder kulturellen Hegemonie befürchtete. Als K.u.k.-Beamter und Dichter war Schaukals Hand- lungsortderdesÜberbaus.ErwurdealsAngestellterderherrschendenKlasseund „Funktionär der Hegemonie“ vom christlichsozialen Lager instrumentalisiert581 und hat in diesemKontext seinen Einfluss auf die ökonomische Basis im Sinne derMachtdurchsetzungeinerKlassegeltendgemacht,wiemitBezugaufGramscis Theorieersichtlichwurde. SchaukalsPositionspiegeltdieKriseeiner zahlenmäßiggroßenundverun- sicherten Gesellschaftsschicht zu Beginn des 20. Jahrhunderts wider, die vom Liberalismus enttäuscht war, über kein eigenes Klassenbewusstsein verfügte, soziale Erhebungen sowie den Verlust von politischem Einfluss und gesell- schaftlichemPrestige fürchtete unddaher dieHegemonie literarisch-produktiv auf traditionelleHerrschaftsformenprojizierte. Schon in Schaukals 1907 veröf- fentlichtenGiorgioneheißteswehmütig: Heut istesder„bildendenKunst“nichtmehrvergönnt,ausstillerWerkstattweihe,gehegt von der Liebe und Achtung der Könige, der Fürsten, der Patrizier, aufzuerstehen im GlanzderHochaltäre,derRatssäleundPaläste,heut ist siedurchauseingewagtesUnter- nehmendesEinzelnen,heutmußdieKunstaufdenMarkt,dieAusstellung.582 DieDichter imStaatsdienst hatten ihrenTeil zurWahrungkulturellerHegemo- nie der dominanten Klassen und Institutionen beigetragen (Thron und Altar, AdelundArmee)583unddieVielvölkermonarchieauf zweifacheWeisegestützt: bürokratischwie literarisch, also in denFeldern Politik undKultur. Nachdem ErstenWeltkriegbefürchteteeinegroßeZahlsehrunterschiedlichpositionierter Akteure, strukturell vom Proletariat verdrängt oder absorbiert zu werden. Ein Teil derbürgerlichenSchriftsteller reagiertemitdemVersuch, eineAristokratie desGeistes zuetablierenund ihrWirken fürdieBewahrungderkulturellenwie politischenHegemonie einzusetzen. Schaukal verkörpert dieseEntwicklungen: er nahmeine historisch gewachsene Elite in die Pflicht, Kunst zu fördern, um dieVerknüpfungvonKulturundStändeordnungzubewahren. 581 Ludwig Paulmichl: Bürgerliche Gesellschaft, Hegemonie, Intellektuelle. Zur konzeptuel- lenAusweitungdes Intellektuellen imHinblick auf die revolutionäre Strategie undOrganisa- tionAntonioGramscis.Diss.Univ.Wien, 1988,S. 132. 582 Schaukal:Giorgione,S. 107. 583 Vgl.Timms:DynamikderKreise,S. 18. 10 Exkurs:SchaukalalsVermittlerzwischenKunstundPolitik 235
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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