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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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einer auf sich selbst zurückgeworfenen Genialität ein Stück weit revidierte. Schaukalkonzediertezwar,dasses für seine„Bekenntnisangelegenheiten“einer Adressatengruppebedurfte, jedochwären„Buch,Brief,Gespräch [...], Selbstge- spräche vor Zuhörern [Dinge], auf die esmir nicht ankommt, diemir aber dazu alsMittelnotwendigsind.“3 SeinBekenntnisdrangverbandsichmitdemBewusstsein, Teil einergesell- schaftlichenGruppierungzusein, vonder es sich schreibendeinStückweit zu distanzierengalt. BourdieubeschreibtdiesmitBlickaufFlaubert folgenderma- ßen: „Schreiben setzt alle Determinierungen, alle grundlegenden Zwänge und Beschränkungendes gesellschaftlichenDaseins außerKraft.“4 Gesellschaftlich zu existieren bedeute, sozial markiert zu sein und von Gruppen abzuhängen, von ihnengehalten zuwerdenund sich an sie zuhalten, kurz: „ihnen zuzuge- hören, in Netzwerke sozialer Beziehungenmit der Objektivität, Undurchdring- lichkeit,Beständigkeit einesDingseingebundenzusein,die sich inGestalt von Verbindlichkeiten,moralischenSchulden,Pflichten,alsoKontrollenundZwän- gen in Erinnerung bringen.“5 Entsprechend der individuellen Möglichkeiten können diese Zwänge und sozialen Konventionen jedoch künstlerisch über- wundenwerden,soBourdieu.6 SchaukalsWerk ist nicht allein von konventionellenNarrativen über histori- scheoderdieeigeneGrößegeprägt,eszeigtaucheinebisweilendifferenzierteAuf- fassungvonBiographiewürdigkeit, auf die zumBeispiel seineEin-Satz-Erzählung „Biographie“ aus dem Jahr 1902 anspielt, die den teleologischen Lebensverlauf eines liberalenGroßbürgers karikiert. Zwar verehrte Schaukal sowohl prominente Historiographendes 19. Jahrhunderts (Carlyle,Mommsen, Treitschkeundandere) als auch Protagonisten des literarischen Kanons (vor allemGoethe und Schil- ler). Aber noch viel stärker identifizierte er sichmit der Ästhetik undBiogra- phie von Dichtern, die es um 1900 ein wenig wiederzuentdecken galt. Schaukals biographischer Auseinandersetzungmit E. T. A. Hoffmann, Hein- richvonKleist, EduardMörikeoderWilhelmRaabe (1831–1910) liegtdieGeste des schöngeistigen Dilettantismus eines insgeheim doch intellektuellen Ex- pertengesamteuropäischerLiteraturgeschichte zugrunde.WiedieDichterdes JungenWien vertrat auch Schaukal die Auffassung, „über nicht weniger als die gesamte abendländische Kultur seit der Antike verfügen zu können.“7 3 Schaukal:BeiträgezueinerSelbstdarstellung,S. 1. 4 Bourdieu:DieRegelnderKunst,S.58. 5 Bourdieu:DieRegelnderKunst,S.58–59. 6 Vgl.Bourdieu:DieRegelnderKunst,S. 58–59. 7 Gotthart Wunberg: Einleitung. In: Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwi- schen1890und1910.Hg.vonGotthartWunberg.Stuttgart 1981,S. 11–79,hierS.61. ZusammenfassungderErgebnisse 237
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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