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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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Dabei versuchte er denKanon auszuweiten, indemer zumBeispiel Romantik ineinenerweitertenKlassikbegriff integrierte: In der seit einigen Jahren bei uns um sich greifenden Begeisterung für die romantische Schule–kaumhates je eineminder zutreffendeBezeichnunggegeben;eherkönnteman von einer klassischen „Schule“ sprechen, die Romantikerwaren lauter Einzelne, Indivi- dualisten–steckteingutTeilSnobismus. [. . .] Er istalsokeincharakteristischesMerkmal jenerRenaissancederRomantik.Abermandarf vonseinerwiderlichenExistenznichtab- sehen. Es ist gewiß richtig: der banale Naturalismus – die Deutschen hatten, gründlich undgrob, Ibsenmißverstanden–mußte eineGegenbewegunghervorrufen. Aber die so- genannte Neuromantik war darum noch nicht Erlösung, weil sie einen Gegensatz vor- stellte. Siewaretwasanderes, etwasvergleichsweiseNeuesund„zog“. Sie istdahin [. . .], dahin wie der Rüpelreigen der „Konsequenten“ [Naturalisten, CM], Sie mußte an ihrer Blutleereumkommen.DieTreibhausblüteeinerschwülenNacht.Nichtsmehr.8 DieStreichungdesPräfixes ‚Neu‘unddieZusammenführungderEpochenbegriffe RomantikundKlassik hängtmit Schaukals gedehntemGenerationenverständnis zusammen,demnichtnureineästhetische,sondernaucheinezeitkritische, rück- wärtsgewandteNoteanhaftete. IndemerdieGenerationslagerungextremauswei- tete und sich in einen Zusammenhangmit Dichtern vergangener Jahrhunderte stellte, konstituierte er einen generationalenZusammenhang, der denGeneratio- nenwechsel nicht nach biologischmessbaren Alterskriterien bestimmt, sondern nach geistig-ästhetischer Übereinstimmung. Schaukal fühlte sich etwa Novalis verbundener als denmeisten seiner Zeitgenossen.9 Jene selbstbezogene Stilisie- rung der Vergangenheit, die Schaukal auch fotografisch inszenierte, wurde hier alsnostalgischerAusdruckundAnachronismusbeschrieben.DiePortraitfotogra- fien etwa waren beliebte Mittel, um Verbindlichkeiten herzustellen und dem SchreibeneinepersönlicheNotezuverleihen. DieAnalysevonSchaukalsKorrespondenzenführtedabeizudemErgebnis, dass dieKanten seiner Netzwerke zwar sehr weitreichend, in aller Regel aber strukturell schwach waren. Vor allem die Verbindung zu Thomas Mann ver- deutlichteineVeränderungvonzunächstsymmetrischverlaufendenAustausch- prozessen(Informationenwerden ingleicherQualitätgegebenundempfangen) zuasymmetrischen (einseitiger Informationsfluss). Über denKontakt zu Thomas undHeinrichMannwollte sich Schaukal im literarischenFeld des deutschenKaiserreichs etablieren. Dortwarendie recht- lichen und ökonomischen Bedingungen für den Buch- und Zeitschriftenmarkt günstiger als inÖsterreich.Die Zusammenarbeitmit dem Illustrator undMaler 8 Schaukal:E.T.A.Hoffmann,S.275. 9 Vgl.Schaukal:FrankWedekind.EinePorträtskizze. In:WE.Bd.5,S.66. 238 ZusammenfassungderErgebnisse
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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