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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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demDichterkreis des JungenWien zwar bedingt zugerechnetwerden, über die geistige Verbindung hinauseichende, dauerhafte persönliche Kontakte kamen jedochnichtzustande. Entgegen Schaukals autonomieästhetischer Positionierung spielte ökono- mischer Erfolg sehr wohl eine Rolle in den Briefwechseln, wie die Korrespon- denz mit Thomas Mann oder Hermann Hesse zeigt. Doch an seinem eigenen Anspruch gemessen kann nicht von einem erfolgreichen Karriereverlauf als Schriftsteller dieRede sein. Dies istmit SchaukalsAusscheidenausdenkultu- rellen Transferprozessen nach 1918 zu begründen, die ihm vor dem Krieg als Vermittler (auchalsÜbersetzer) undVermitteltemzugutekamen.Auffallend ist zudem, dass Schaukal gerade in der Hochphase seiner literarischen Betrieb- samkeitnicht sonderlichoft (beruflich) reiste,wohingegenHermannBahrs lite- rarisches Prestige auch auf seine internationale Vermittlertätigkeit und eine damitverbundenehoheMobilität zurückzuführen ist.13 Schaukal versuchte in den ersten zwei Jahrzehnten seines beruflichen wie dichterischen Schaffens, Kunst undGeldmiteinander zu vereinbaren.14 SeinBe- amtenberuf, die vorteilhafteHochzeit und eine Erbschaftmachten ihn finanziell unabhängig, sodass er sich als Schriftsteller relativ frei entfalten konnte. Es ist kein Zufall, dass die frühen Jahremit seiner kreativstenSchaffensphaseundder intensivstenNetzwerktätigkeit zumaßgebendenVerlagen, Zeitschriften, Vereini- gungen,KünstlernundArchitektenderModerne zusammenfallen. Bis etwa 1918 verbuchte er für alle Kapitalsorten Zuwächse, sozial und ökonomisch, kulturell wiesymbolischgewannerEinsatzmittel fürseineHandlungenundPositionierun- gen inunterschiedlichenFeldern,nichtnur imliterarischen.Dashängtvorallem mit seiner Tätigkeit alsAutor für diverse ZeitungenundZeitschriften zusammen. Ein zentraler Gedanke in BourdieusDie Regeln der Kunst ist dem entsprechend, dass Künstler ihreWerke ab derMitte des 19. Jahrhunderts zwei zentralen Ver- mittlungsinstanzen unterordnenmussten, da die ehemals imKunstfeld herrsch- endenFördergeber, also adeligeundkirchlicheMäzene,weggefallenwaren:Vor allemder Journalismus,aberauchSalonsbestimmtenzunehmenddieneuen ‚Re- gelnderKunst‘undbeeinflusstendieVermittlungundDurchsetzungbestimmter Geschmacksvorstellungen.15 InWienwarenum1900außerdemKaffeehäuserund Gaststätten Orte der ästhetischen Geschmacksbildung und -findung sowie der sozialen Vernetzung. Schaukalwar in einigenwesentlichen, für die Etablierung im Feld der Literatur wichtigen Orten und Instanzen absent. Weder fand er 13 Vgl.Bachleitner:EinesoziologischeTheoriedes literarischenTransfers,S. 148. 14 LautBourdieudie„coincidentiaoppositorum“;Bourdieu:DieRegelnderKunst,S.45. 15 Vgl.Bourdieu:DieRegelnderKunst,S.86. ZusammenfassungderErgebnisse 241
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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