Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kunst und Kultur
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 332 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 332 - in Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938

Bild der Seite - 332 -

Bild der Seite - 332 - in Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938

Text der Seite - 332 -

Vera Faber332 neuen künstlerischen Konzepte ebenfalls auf eine produktive und, wie das Bei- spiel der Tschechoslowakei zeigt, international bedeutsame Resonanz. Die österreichische Architektur nahm in der Zwischenkriegszeit in Bezug auf ihre Wahrnehmung eine weitaus marginalere Position ein als noch vor dem Zerfall der Habsburgermonarchie. Architekten und Projekte aus Wien waren in internationalen Publikationen zum „Neuen Bauen“ entweder nur gering oder gar nicht vertreten. Das von Walter Gropius herausgegebene erste Buch aus der Reihe der Bauhaus-Bücher, das mit dem Titel Internationale Architektur 1925 erschienen ist,7 gilt als erstes wichtiges Standardwerk zum „Neuen Bauen“ in Europa. Während der tschechoslowakische Konstruktivismus darin mehrfach als wichtige europäische Strömung aufscheint,8 werden von österreichischer Seite lediglich Adolf Loos und Richard Neutra präsentiert. Das Modell eines Wohnhauses9 beziehungsweise eines Geschäftsgebäudes10 stellen im Bauhaus- Buch die einzigen nennenswerten Beispiele für das „Neue Bauen“ in Wien dar.11 In anderen Publikationen werden die Entwicklungen in Österreich vonseiten deutscher Kritiker zudem oft als provinziell resp. wenig innovativ abgeurteilt.12 7 1927 folgte eine zweite, durch neue Abbildungen ergänzte Ausgabe, auf die im Fol- genden Bezug genommen wird:  Walter Gropius (Hg.):  Internationale Architektur. Zweite veränderte Auflage. München:  Albert Langen 1927 (= Bauhausbücher, Bd.  1). 8 Mit Jaromír Krejcar, Jaroslav Fragner und Vít Obrtel scheinen z.B.  mehrere Mit- glieder der Gruppe Devětsil auf. Der tschechoslowakische Konstruktivismus war generell sehr gut international vernetzt, sodass die russische „Vereinigung zeitgenös- sischer Architekten“ (OSA) eine ihrer Ausstellungen auch in Prag  – neben Brüssel und New  York  – organisierte (vgl. K. Paul Zygas:  OSA’s 1927 Exhibition of Con- temporary Architecture:  Russia and the West Meet in Moscow. In:  Gail Harrison Roman/Virginia Hagelstein Marquardt (Hgg.):  The Avant-Garde Frontier. Russia Meets the West, 1910–1930. Gainesville:  University of Florida Press 1992, S.  102–142, hier S.  104). 9 Vgl. Adolf Loos:  Modell zu einem Wohnhaus. 1924 (Abbildung). In:  Gropius, Inter- nationale Architektur, S.  64. 10 Vgl. Richard Neutra:  Geschäftshaus. 1925 (Abbildung). In:  ebd., S.  51. Neutra lebte zu dieser Zeit bereits in den USA. 11 Anlässlich des 60. Geburtstags von Loos beklagt auch Das Neue Frankfurt dessen mangelnde internationale Präsenz:  „Warum hat Loos 1927 auf der Weißenhof-Sied- lung in Stuttgart gefehlt? Warum 1929 in Breslau und 1930 in Karlsruhe? Warum fehlt sein Name in der großen Prager Werkbundsiedlung 1931 […]?“ (Josef Gantner:  Adolf Loos. In:  Das Neue Frankfurt, Nr.  1/1931, S.  2–8, zit. S.  7.) 12 Dies stellt eine spannende Analogie zur Sowjetukraine dar, deren Architektur vonsei- ten der russischen Konstruktivisten aufgrund ihrer Traditionsverbundenheit ebenfalls als rückständig und provinziell gering geschätzt wurde.
zurück zum  Buch Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938"
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹