Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kunst und Kultur
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 359 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 359 - in Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938

Bild der Seite - 359 -

Bild der Seite - 359 - in Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938

Text der Seite - 359 -

Russland-Diskurse in der Zeitschrift Sowjet 359 in Galle und Essig ertrinken die Augen, aus Adern und Scheitel raucht es in Schwaden. Unter den Nägeln träuft rotes Blut. Ich grabe dumpf in der Erde.32 Das Aufbegehren aus dieser konkret verorteten Perspektivlosigkeit manifestiert sich in Gewaltbereitschaft, die sich jedoch nicht wie bei Sonnenschein dezidiert gegen die Mächtigen wendet, sondern überhöht als prinzipielle Revolte darge- stellt wird: Wie wenn ich die verruchte Lampe im Stollen zerschmetterte, den geknechteten Nacken weitauf emporreckte, die Linke verkampfte, und dahin schreitend im Halbkreis von Erden empor bis zum Himmel den Hammer erhübe mit schrecklichen Augen droben zur Sonne Gottes!33 Bemerkenswert in dieser ersten Nummer des Sowjet ist jedenfalls die hohe Kon- zentration an Texten verschiedenster Art, die Gewalt affirmieren und mitunter auch zu gewaltsamem Handeln aufrufen. Das entspricht nicht unbedingt dem zeitgenössischen deutschsprachigen anarchistischen Diskurs, der eher vom Tol- stoj’schen Pazifismus beeinflusst ist. Dieser Gewaltaspekt ist vielmehr als in der Tradition der tschechischen Anarchisten stehend zu sehen, in deren Umfeld Sonnenschein und Bezruč aktiv waren und ihre Texte schrieben.34 2 Gesellschaftsutopie und Versöhnung Die nächste Nummer des Sowjet spricht dann auch in ihrer Textauswahl eine deutlich gemäßigtere Sprache:  Auf der ersten Doppelseite ist linkerhand ein Linoleumschnitt des Prager Malers Zdeněk Rykr abgedruckt, der auf grafischer Ebene in markanter Schwarz-Weiß-Zeichnung die „Proletarier aller Länder“ zur Versöhnung aufruft; rechterhand ist ein mit 21.  Juli  1919 betiteltes Gedicht 32 Petr Bezruč:  Der Bergmann. In:  Sowjet, H.  1/1919, S.  72f., zit. S.  72. 33 Ebd., S.  73. 34 Vgl. Gerhard Botz, Gerfried Brandstetter, Michael Pollak:  Im Schatten der Arbei- terbewegung. Zur Geschichte des Anarchismus in Österreich und Deutschland. Wien:  Europa-Verlag 1977, S.  29–97; Wilde, Sonnenschein, S.  260–287. Vgl. auch den Artikel von Hermann Stursa über die kommunistische Bewegung in der Tsche- choslowakei, der Sonnenschein als einen Herausgeber der Wochenschrift Červen, „des einzigen konsequent kommunistischen Organs in tschechischer Sprache“, nennt (Stursa, Bewegung, S.  41).
zurück zum  Buch Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938"
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹