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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 367 -
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Russland-Diskurse in der Zeitschrift Sowjet 367 dient ausschließlich der sozialen Anerkennung und der Stärkung der eigenen Machtposition:  „Kühne genoß, während er mit den beiden Herren sein Bureau verließ, bereits im Geiste den verständnislosen Respekt seiner neuen Geschäfts- freunde für seine großzügige Kunstbeflissenheit. ‚Sie haben gesehen, wie ich verdiene‘, dachte er, ‚nun sollen sie sehen, wie ich ausgebe.‘ “62 Kühne erscheint als Inkarnation des von Kaus in ihrem früheren Essay „Zur moralischen Bilanz der Bourgeoisie“ diskreditierten „Kunsthüter[s] “ im Sinne eines „Museumsgen- darmen“,63 als dessen schlimmste Ausgeburt sie den Mäzen nennt, der sich mit seinem rein materiell motivierten Kunstinteresse nicht als Kunstkenner, sondern als vermögender Mann entlarvt. 4 Politik und Konsequenzen Was sich in den ersten Abdrucken literarischer Texte im Sowjet schon abzeichnet, nämlich die vorsichtige Unterwanderung der anfänglich radikalen Programma- tik der Zeitschrift, findet mit der Publikation der Erzählung Der Altar von Gina Kaus einen Höhepunkt und ein vorläufiges Ende.64 Die Verabschiedung ultralin- ker Ideologien und das Eintreten für gemäßigtere Strategien zur Erlangung der sozialen und politischen Neuordnung spiegeln auch durchaus Entwicklungen in der kommunistischen Bewegung in Österreich wider, die durch ideologische Fraktionskämpfe in zahlreiche Splittergruppen zerfallen war. Die Proklamation dieser moderateren Revolutionsforderungen übernimmt in der Zeitschrift die Literatur, der unter der Herausgeberschaft von Otto Kaus im ersten Jahrgang neben Texten zu politischen und wirtschaftlichen Themen eine gleichberech- tigte Rolle eingeräumt wird. Davon zeugen regelmäßige Abdrucke literarischer Texte ebenso wie die Fülle an theoretischen Texten, die den sozialpolitischen Stellenwert von Literatur und Kultur verhandeln und damit den Sowjet in seinen Anfängen als Kulturzeitschrift positionieren. Mit der Übernahme der Herausgeberschaft im Mai 1921 durch den kurz zuvor aus der KPD ausgeschlossenen Paul Levi ändert sich die programmatische Ausrichtung der Zeitschrift wesentlich; diese wendet sich nun kritisch gegen die 62 Andreas Eckbrecht [d.i. Gina Kaus]:  Der Altar. In:  Sowjet, H.  6/1919, S.  43–54, zit. S.  44. 63 N.N. [d.i. Gina Kaus]:  Zur moralischen Bilanz der Bourgeoisie. In:  Sowjet, H.  1/1919, S.  51–60, zit. S.  57. 64 Danach sind nur noch zwei vereinzelte Abdrucke von lyrischen Texten zu verzeich- nen; dabei handelt es sich um Gedichte von Rudolf Hartig (H.  10.11.1920) und Bruno Schönlank (H.  3/1920).
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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