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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Martin Erian390 keine Nummer erscheinen, die nicht Neues von den Fünfjahresplangiganten oder den Vorbereitungen der nächsten Planperiode enthalten wird.“12 Im Feuilleton der Roten Fahne erfolgten Annäherungen an das sowjetische Leben in vielerlei Gestalt. Während Erzählungen und Fortsetzungsromane oft auf russischem Boden spielten, orientierten sich die AutorInnen der österrei- chischen proletarisch-revolutionären Literatur nur selten direkt an russischen Realitäten. Dem gegenüber standen die Berichte von Kriegsheimkehrern sowie insbesondere seit 1928 jene der zahlreichen Entdeckungsreisenden, die im Zentralorgan der KPÖ von ihren Erfahrungen in der Sowjetunion berichte- ten  – häufig auch in scharfer Abgrenzung zur Arbeit der als „Sozialfaschisten“13 verunglimpften Sozialdemokraten im „Roten Wien“. 1 Sowjetnarrative der VertreterInnen der proletarisch- revolutionären Literatur Obwohl eine proletarisch-revolutionäre Literatur österreichischer Provenienz seit Beginn der Zwanzigerjahre kontinuierlich im Feuilleton der Roten Fahne Raum erhielt, beschränkte sich der Kreis der regelmäßig publizierenden Auto- rInnen auf wenige Personen. In Erinnerung geblieben ist vor allem Lili Körber. In Moskau als Tochter eines österreichischen Kaufmanns aufgewachsen, kehrte sie mit ihrer Familie im Weltkrieg zeitweilig nach Wien zurück und verfasste nach den Studienjahren ab 1927 Feuilletons für die Arbeiter-Zeitung.14 Dabei zeich- nete sie beeinflusst von ihrer Vergangenheit im zaristischen Russland sowie vom Kontakt zur zeitweilig in Wien lebenden früheren Lenin-Mitarbeiterin Anželika Balabanova wiederholt und durchaus zum Missfallen der sozialdemokratischen Verantwortlichen ein positives Russland-Bild.15 Am 1.  Mai  1928 debütierte sie mit der vorrevolutionären Dorfgeschichte Liebesstreik um Mitjka in der Roten 12 N.N.:  Was die „Illustrierte Rote Woche“ bringt. In:  RF (24.1.1932), S.  5. 13 Zur „Sozialfaschismustheorie“ vgl. Barry McLoughlin:  Die Partei. In:  Ders. u.a., Kom- munismus in Österreich, S.  259–276, bs. 261; Josef Schleifstein:  Die „Sozialfaschis- mus“-These. Zu ihrem geschichtlichen Hintergrund. Frankfurt a.M.:  Marxistische Blätter 1980 (= Marxistische Taschenbücher. Reihe Marxismus aktuell, Bd.  144). 14 Vgl. Ute Lemke:  Lili Körber:  Von Moskau nach Wien. Eine österreichische Autorin in den Wirren der Zeit (1915–1938). Siegen:  Böschen 1998 (= Kasseler Studien  – Lite- ratur, Kultur, Medien, Bd.  2), S.  38f. Zu Körber s.  auch den Beitrag von W.  Fähnders in diesem Band. 15 Vgl. Viktoria Hertling:  Quer durch:  Von Dwinger bis Kisch. Berichte und Reportagen über die Sowjetunion aus der Epoche der Weimarer Republik. Frankfurt a.M.:  Hain 1982, S.  91f.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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