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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 397 -
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Russland-Diskurse im Feuilleton der Roten Fahne 397 KPÖ-Vorfeldorganisation Abhilfe schaffen und vor allem mit Vorträgen die Auseinandersetzung mit Russland auf Wiener Boden unterstützen.39 Mit Reiseberichten traten ab 1930 mehrere mit der KPÖ verbundene Autor- Innen hervor. Die bedeutende kommunistische Übersetzerin Frida Rubiner, KPD-Gründungsmitglied und von 1920 bis 1922 Redakteurin der Wiener Roten Fahne, stellte publizistisch über lange Jahre eine wichtige Brücke nach Russland dar und veröffentlichte 1930 im Verlag für Literatur und Politik mit Der große Strom. Eine unromantische Wolgafahrt einen Reisebericht, der schon einleitend den Bedarf an ständig neuen Berichten aus der Sowjetunion unterstreicht. Denn jede Darstellung wäre, so Rubiner, angesichts des „Revolutionstempo[s] “ von der „Gefahr der Unaktualität“ bedroht, was auch für ihr eigenes Werk gilt:  „Jede Zahl wurde überholt, bevor die Druckerschwärze getrocknet war.“40 Rubiner weist in ihrem episodenhaften Bericht auch auf Rückständigkeiten hin, wofür etwa eine von der Dorfversammlung beschlossene Auspeitschung von 300 Bauern im Dorf Ludurwaj in der Autonomen Republik der Wotjaken als exem- plarisch angeführt wird. Bereits 1928 hat Rubiner in der Roten Fahne diesen Fall als Lehrbeispiel für die Notwendigkeit konsequenter kommunistischer Politik interpretiert. „Für uns, das revolutionäre Proletariat außerhalb der Sowjetunion, ist die Affäre Ludurwaj noch einmal ein Beweis dafür, daß wir unsere revolu- tionäre Pflicht erfüllen müssen“.41 Im Reisebericht von 1929 dient der Vorfall als Beleg für sowohl die Gehässigkeit antisowjetischer Berichterstattung („beste Reklamearbeit für alle sowjetfeindlichen Elemente, die ‚die Wahrheit‘ über Sowjetrußland unter den Arbeitern […] verbreiten“42) als auch die besonderen Anforderungen an die Errichtung eines Arbeiter-und-Bauern-Staates in der kul- turell wie ethnisch heterogenen Sowjetunion. Die agitatorische Zuspitzung der Darstellung erreicht Rubiner durch einen bewährten Kunstgriff:  Sie führt mit dem Berliner Sozialdemokraten Herbert Krause einen skeptischen Mitreisenden ein, der „zwar die russische Revolution [bejaht], aber […] darauf erpicht [ist], 39 Vgl. Julia Köstenberger:  Österreichisch-sowjetische Kulturkontakte im Überblick. In:  Moritz, Gegenwelten, S.  231–249, bs. S.  234–240. Der von der Roten Fahne trotz KPD-Nähe als Autor des linksliberalen Abend abgelehnte Bruno Frei, Lili Körber und Julius Haydu wurden bei ihren Russlandreisen von der VOKS unterstützt (vgl. ebd., S.  233). 40 Frida Rubiner:  Der große Strom. Eine unromantische Wolgafahrt. Wien:  Verlag für Literatur und Politik 1930, S.  5. 41 Frida Rubiner:  Ein Fall der Barbarei in der Sowjetunion. Eine der Schwierigkeiten des sozialistischen Aufbaues. In:  RF (18.10.1928), S.  5. 42 Dies., Strom, S.  270.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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