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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Russland-Diskurse im Feuilleton der Roten Fahne 399 Menschen, gekennzeichnet durch „vorbehaltslose ungebrochene Lebensbeja- hung“,48 in der Sowjetunion Bezug. Die Rote Fahne betonte, das Buch zeige vor allem, „wie überall über Rußland gelogen wird“;49 Ernst Fischer strich in der Arbeiter-Zeitung das „Pathos der Zahlen“ hervor und erhob den Fünfjahresplan selbst zum „großartigsten Buche der Weltgeschichte“.50 Als produktivster Berichterstatter aus der Sowjetunion präsentierte sich allerdings Otto Heller. Zunächst Anhänger der Sozialdemokratie in Wien und Reichenberg, übersiedelte er 1926 nach Berlin, wo er Kontakte zu KPD-nahen Autoren wie Egon Erwin Kisch, Franz Carl Weiskopf und Johannes R.  Becher knüpfte und sich dem BPRS anschloss. Als Vertrauensmann der Kommunisti- schen Internationale wirkte er zeitweise als Redakteur für die Tageszeitung Welt am Abend, deren Herausgeber Münzenberg ihm im Sommer 1929 eine Reise ermöglichte, aus der der Bericht Sibirien. Ein anderes Amerika als erster von mehreren Sibirienberichten resultierte.51 Die Auseinandersetzung mit Sibirien macht auf ein ertragreiches Feld in der euphorischen Russlanddarstellung aufmerksam, erfuhr der ‚wilde Osten‘ durch den wirtschaftlichen Aufbau doch eine spürbare Modernisierung und diente als offensiver Gegenentwurf zum kapitalistischen Amerika, das es mit dem Fünfjah- resplan zu übertreffen galt.52 Dem Feuilleton der Roten Fahne hatte der Bericht eines Korrespondenten der Chicagoer Daily News das Themenfeld neu eröff- net, das zuvor Fridtjof Nansen mit seinem 1914 erschienenen Buch Sibirien, ein Zukunftsland erschlossen hatte und das für die Rote Fahne und Heller weiter einen wesentlichen Referenzpunkt darstellte.53 Hellers Werk, das breite historische 48 Julius Haydu:  Rußland 1932. Wien:  Phaidon 1932, S.  154. 49 H.W. (Hilde Wertheim?):  Neue Bücher. Rußland 1932. In:  Die Rote Fahne (1.5.1932), S.  9. 50 Ernst Fischer:  5 Jahre, die die Welt verändern. In:  Arbeiter-Zeitung (6.11.1932), S.  14. 51 Neben den Broschüren Das Geheimnis der Mandschurei (1932), Die rote Fahne am Pazifik. Zehn Jahre Sowjetmacht im Fernen Osten (1933) und Auf zum Baikal! Der sozialistische Aufbau in Ostsibirien und die Fantasien des Herrn Kamaitzi (1933) erschien 1932 mit Wladi Wostok! Der Kampf im Fernen Osten im Neuen Deutschen Verlag ein zweites umfängliches Reisebuch Hellers, der schon 1928 aus dem russi- schen Polargebiet berichtet hatte; vgl. Otto Heller:  Die Gelehrteninsel im Eismeer. Biologische Station Alexandrowsk  – Wunder des Nordens. In:  RF (26.8.1928, S.  7), O. H.:  Die Welt ohne Bazillen. In:  RF (1.12.1929), S.  5f. 52 Vgl. Eva-Maria Stolberg:  Sibirien:  Russlands „Wilder Osten“. Mythos und soziale Rea- lität im 19. und 20.  Jahrhundert. Stuttgart:  Steiner 2009 (= Beiträge zur europäischen Überseegeschichte, Bd.  95), S.  300–322. 53 Vgl. N.N.:  Das sibirische „Chicago“. In:  RF (28.11.1926), S.  6; Georg Werosta:  Fridtjof Nansens Rußlandbuch. In:  RF (12.7.1924), S.  2.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹