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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 431 -
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Katharina die Große in Literatur, Theater und Film 431 als ein Objekt der Ausnutzung. Katharinas erste Maßnahmen richten sich gegen die Privilegierten:  sie schafft den größten Teil der Monopole ab[.] 28 Katharinas Modernisierungsplan für Russland implizierte eine Dosis wohltätiger Hilfsbereitschaft  – „Sie ist die sanfteste, gütigste, die gemütlichste Hausfrau, die man sich denken kann. […] Es ist bekannt, daß ihre strahlende, warme, herz- liche Liebenswürdigkeit nicht nur ihren Freunden und Gästen, sondern auch dem geringsten ihrer Diener gilt.“29  –, ferner die Überwindung der Spaltungen zwischen Alt und Neu, Westen und Osten, Arm und Reich und ist bei Shaw das Resultat einer virtuellen Neugeburt. Katharinas Liebe für Potëmkin gebiert dabei metaphorisch ein „Kind“:  das moderne und emanzipierte Russland. Die private und öffentlich komplizenhaft zur Schau gestellte Beziehung zwischen den Beiden vermag die russische Reform- und Gründerzeit in Bewegung set- zen. Deswegen weist Edstaston Katharina auf die Notwendigkeit hin, auch eine Hochzeit zu arrangieren und in der Folge eine konventionelle Familie nach außen vorzustellen. In dieser Perspektive identifiziert Shaw das Politische mit dem Menschlichen; Katharina die Große verwandelt sich von der tyrannisch, skrupellos, ja mörderisch überlieferten Monarchin in einen warmherzigen, fast naiv überzeichneten Engel des Herdes: Geben Sie Europa ein Beispiel, Majestät, und tun Sie, was ich zu tun im Begriff bin. […] Heiraten Sie irgendeinen braven Menschen, der Ihnen auf Ihre alten Tage eine Stütze und eine Zuflucht sein wird. […] Sie werden mir noch mehr danken, wenn Sie erst an Winterabenden neben Ihrem Gatten am Kamin sitzen und Ihre Kinder auf den Knien wiegen.30 Vor Kaus’ Romanbiographie hat in Wien zunächst ein anderer, inzwischen aus dem Blickfeld geratener Text die Katharina-Rezeption wesentlich mitkonturiert und geprägt:  die Komödie Die kleine Katharina von Albert Savoir. Das Stück erlebte am 19.12.1930 am Akademietheater in der Übertragung durch Bertha Zuckerkandl seine deutschsprachige Erstaufführung und stand nahezu ohne Unterbrechung ein Jahr hindurch am Spielplan, obwohl vor allem konservative Blätter es  – wie auch die Wahl des Aufführungsortes  – heftig kritisierten. So stufte zum Beispiel die Reichspost das „reichlich frivole Stück“ als Zumutung ein; „daß uns diese Komödie nun […] am Akademietheater vorgesetzt wird, das ist ein ganz unglaublicher, ein unerhörter Verstoß“31  – eine Einschätzung, welcher die 28 Gina Kaus:  Katharina die Große. Biographie. Berlin:  Ullstein 1935, S.  282 bzw. 276. 29 Ebd., S.  392. 30 Shaw, Die Grosse Katharina, S.  55. 31 B. [d.i. Hans Brečka]:  Die kleine Katharina. In:  Reichspost (21.12.1930), S.  20.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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