Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 72 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 72 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Bild der Seite - 72 -

Bild der Seite - 72 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text der Seite - 72 -

72 Maddalena Guiotto zensur übte. Der informative Charakter der „Quindicina internazionale“ war nicht unbedeutend und neutral. So war es üblich, Artikel aus Fremdsprachen zu übersetzen, was als Denkanstoß gedacht war. Österreich spielte in den Artikeln De Gasperis eine bedeutende Rolle, er schrieb über Wien, einstige Schmiede politischer Apparate und Regime, historisches La- boratorium für Kombinationen, Methoden, Kompromisse, zwischen Rea- ktion und Liberalismus, zwischen Absolutismus und Demokratie, zwischen slawophilem Föderalismus und deutschem Zentralismus.78 Er zitierte mehrfach Beiträge aus der österreichischen Tageszeitung „Reichs- post“, die er schon aus seiner Studentenzeit in Wien gut kannte. Aber es war nicht nur ein nachvollziehbares biografisches Interesse des ehemaligen Stu- denten und Parlamentsabgeordneten, das seine Aufmerksamkeit auf die Er- eignisse in Österreich lenkte. Österreich war der Ort eines konstitutionellen Experiments, das De Gasperi für fähig erklärte, einige grundlegende Proble- me der Epoche zu bewältigen. Der Staatsmann Monsignor Ignaz Seipel, der zweimal Bundeskanzler war, hatte dem „Spectator“ zufolge als erster ver- standen, dass es galt die Reaktion gegen den parlamentarischen Verfall zu lenken. Dies war möglich gewesen, indem sich die Mächte auf die Exekutive konzentrieren und eine Reform der legislativen Methoden antragen, nach dem Schema der Ver- tretung der organisierten Interessen. Es ist noch immer der Geist des bedeutenden Staatsmannes, der in den Christsozialen weht: […]79. Der finanzielle Wiederauf- bau Österreichs nach dem Krieg war Seipels Verdienst; er war es aber auch, der dem österreichischen Staat Ende der Zwanzigerjahre die autoritäre Rich- tung gewiesen hatte. Ernüchtert von den lähmenden Parlamentsdebatten und der Obstruktion der Sozialdemokraten, entfernte er sich immer weiter von der parlamentarischen Demokratie und nach den Ereignissen im Juli 1927, mit dem Brand des Wiener Justizpalastes, hielt Seipel die Loslösung von der parlamentarischen Demokratie für eine wahre Demokratie. Am Ende stützte er 78 Spectator [Alcide De Gasperi], La quindicina internazionale, 1. Juli 1933, in: De Gas- peri, Scritti e discorsi politici, Bd. II/3 2074 [im Folgenden: Spectator, QI]. (Übers. d. Verf.) 79 Ebd. 2075. (Übers. d. Verf.)
zurück zum  Buch Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung