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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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73 Alcide De Gasperi und die österreichische Politik vom Reich bis zum „Anschluss“ sich auf die zum Teil faschistische Heimwehr80 und stärkte mit der Bundes- verfassung von 1929 die Rolle des Bundespräsidenten. In den letzten Jahren seines Lebens ließ sich Seipel bei seiner Idee einer neuen Sozial- und Staats- struktur auf ständischer Basis, die sich immer weiter von der Demokratie entfernte, von der Enzyklika „Quadragesimo anno“, inspierieren. Seine In- terpretation der Enzyklika stieß auf weitgehende Akzeptanz, zumindest im politischen Katholizismus Österreichs81. Darauf berief sich auch der christ- soziale Kanzler Engelbert Dollfuß, der ab Mai 1932 regierte. Das Interesse De Gasperis für das, was in Österreich geschah, war auch ein sehr zentrales Thema der „Quindicine“, nämlich die Krise des Par- lamentarismus, die sozusagen den Hintergrund für die Deutung der zeitge- nössischen politischen Notlage darstellte. Nicht einmal versuchte er, seine Leser von dem unverzichtbaren Vorrang der repräsentativen und parlamen- tarischen Methode zu überzeugen. Mehr als auf die Verteidigung der libera- len Demokratie berief er sich auf die geschlossene und einheitliche Präsenz von Kräften, die sich als Element des Gleichgewichts, der Mäßigung und der Zivilisation am Katholizismus in der Gesellschaft und in der Politik orien- tierten82. Nach den Ereignissen vom 4. März 1933 mit dem Rücktritt der drei Präsidenten des Nationalrats erklärte Dollfuß die Selbstausschaltung des Parlaments. Der Staat befand sich jedoch in keinem Ausnahmezustand, weil die Regierung handlungsfähig war. Dollfuß regierte infolgedessen autoritär, ohne Parlament, auf Grundlage des „Kriegswirtschaftlichen Ermächtigungs- gesetzes“ aus dem Jahr 1917. Das Gesetz hatte dem schnellen Erlass von Wirt- schaftsverordnungen im Ersten Weltkrieg gedient. Dollfuß war entschlos- sen, keinen neuen Zusammentritt des Parlaments zuzulassen und nutzte die Polizeikräfte, um dies zu verhindern, wobei er mit der Verfassung von 1920 80 Zur Heimwehr siehe Lothar Höbelt, Die Heimwehren und die österreichische Politik 1927–1936: vom politischen „Kettenhund“ zum „Austro-Faschismus“? (Graz 2016). 81 Ignaz Seipel war Bundeskanzler von 1922 bis 1924 und von 1926 bis 1929. 1930 war er Außenminister. Zu seiner Person siehe: Klemens von Klemperer, Ignaz Seipel. Staatsmann einer Krisenzeit (Graz–Wien–Köln 1976); Franz Schausberger, Ignaz Seipel im Spannungs- feld zwischen Gott und Staat, in: Die umkämpfte Republik. Österreich 1918–1938, hrsg. von Stefan Karner (Innsbruck–Wien–Bozen 2017) 353–357; Walter Goldinger und Dieter A. Bin- der, Geschichte der Republik Österreich 1918–1938 (Wien–München 1992) 134–159. 82 Formigoni, L’Europa vista dal Vaticano 189, 193.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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