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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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78 Maddalena Guiotto De Gasperi schloss seine Überlegungen mit der Beobachtung: Dollfuß starb wie ein Besiegter und dennoch ist er ein Sieger! Vor seinem edlen Idealismus sollen Machiavellisten, Realisten und Skeptiker allesamt lieber den Kopf senken.98 Trotz der unterdrückenden und autoritären Eigenschaften seiner Regierung wurde Dollfuß, genauso wie andere katholisch orientierte Regierende, für De Gasperis zum Symbol für diesen goldenen Mittelweg, der das Kennzeichen und der Verdienst der derzeitigen katholischen Politiker ist 99. Sie wurden Symbole für eine versöhnliche Bestrebung, die weit von den ausschreitenden Extremismen der Zeit entfernt war 100. Es lässt sich unbestreitbar behaupten, dass der christliche Gedanke, der ihre Vorstellungen und ihre Einstellungen beeinflusst, als mäßigendes Element und als Strömung hin zu Gerechtigkeit wirkt.101 Jene katholischen Politiker schienen die Bestätigung dieses katholischen „Mittelweges“, der eine richtige Mitte zwischen dem individualistisch und dem totalitär ausgerichteten Staat102 sein konnte. Es war ein „Mittelweg“, der seinen Ursprung in der christlichen Reli- gion und insbesondere in der thomistischen Philosophie fand. Mit Anspielung auf eine Rede eines österreichischen Ministers berichte- te De Gasperi im Jänner 1934 von der Wiedergeburt des Wiener Antisemitismus: Die antisemitische Tradition, die auf Zeiten von Karl Lueger zurückgeht, wird hier durch die Wirkung der hitlerischen Propaganda wiederbelebt, aber sie nährt sich vor allem von der Tatsache, dass die Arbeitslosigkeit der Klasse der Intellektuellen in einem lebendigen Kontrast zu der Mehrzahl der jüdischen Minderheit in einigen freien Berufen steht. De Gasperi schien die Einflüsse des Wien zu Beginn des Jahrhunderts und die Stärke der zeitgenössischen Propaganda zu spüren, als er an der übermäßigen jüdischen Präsenz in der Gesellschaft festhielt. So räumte er in der „Quindici- na“ Platz für die Meinungen jener ein, die eine Begrenzung dieser behaupte- ten Vorherrschaft im Bereich der Kultur und Freiberufe unterstützten und die jungen Österreicher den jungen Juden entgegenstellten, so, als wären Letztere 98 Spectator, QI, 16. August 1934 2204 ff. (Übers. d. Verf.) 99 Spectator, QI, 16. November 1935 2368. (Übers. d. Verf.) 100 Vecchio, Alcide De Gasperi. Le sconfitte di un politico di professione 157 f. 101 Spectator, QI, 16. November 1935 2366. (Übers. d. Verf.) 102 Spectator, QI, 1. Mai 1934 2164. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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