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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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80 Maddalena Guiotto er sich wenig mit Österreich und wenn er dies tat, dann zur Erinnerung an dessen korporative Organisation, die als an den Vorschriften der kirchlichen Soziallehre orientierte korporative Demokratie bezeichnet wurde. Ab März 1938 beschäftigte sich De Gasperi wieder recht ausgiebig mit Österreich, als das Land dabei war, Hitlers Anschlusspolitik nachzugeben. Dabei machte er auf die Ursprünge der verschiedenen Strömungen im Wien des Fin de Siècle aufmerksam und hielt sich bei den Christsozialen, den pan- germanischen Kreisen und ihren Anregern sowie eben auch bei dem jungen Hitler auf. Auf die damals gegenwärtige Situation in Wien und auf den sich abzeichnenden „Anschluss“ zurückkommend, fügte er hinzu, dass es sich nicht nur um politisch-rechtliche Grenzen handle, sondern die Grenze, die in Wien verteidigt wird, ist eine Grenze der Meinungen, der Bestrebungen, der Weltan- schauung. Er hoffte aufrichtig, dass auch auf Grundlage des Berchtesgadener Abkommens zwischen Hitler und Schuschnigg dies nur ein Meinungskampf sein könnte, geführt allein mit den Waffen des Geistes. Und mit Bezug auf die Na- tionalsozialisten schrieb De Gasperi: Ihr zieht aufs Feld für den Triumph der Rasse, habt Europa als Kampfplatz und könnt den Gegner in allen Teilen der Welt wählen. Lasst also das kleine Österreich sein Experiment fortführen, das die Geschichte seiner Kultur be- stimmt hat.106 Aber der österreichische unabhängige Staat wurde vom „Anschluss“ über- rollt, der sich am 12. und 13. März mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Wien vollzog und am darauffolgenden 10. April mit einer Volksabstim- mung bestätigt wurde. De Gasperi informierte über die Ereignisse und die schnelle Errichtung des Naziregimes. Seine Berichterstattung war ziemlich aseptisch, auch wenn er an mehreren Stellen nicht anders konnte, als mit Betrübnis auf das Ende des politisch-sozialen korporativen Experimentes zu blicken. Auch wenn es in Europa vielfach diskutiert und kritisiert worden war verdiente es das weltweite Interesse der Katholiken107. Harsch war hingegen die Reaktion von De Gasperi auf das, was er den österreichischen Umschwung nannte. Er drückte sich nicht direkt aus, 106 Spectator, QI, 1. März 1938 2683–2686. (Übers. d. Verf.) 107 Spectator, QI, 1. Mai 1938 2707. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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