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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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90 Lothar Höbelt die Regierung, als parlamentarischer Mehrheitsbeschaffer, weil ihre Hand- voll Mandate gerade ausreichte, das Minderheitskabinett von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß vor einem Misstrauensvotum zu bewahren21. 2. Die „berufsständische Ordnung“ Soweit der machtpolitische Hintergrund. Wie stand es um die inhaltliche Konvergenz, um die Ausstrahlungskraft des Faschismus? Die Diplomaten zeigten sich in dieser Beziehung in der Regel skeptisch: So war z.B. Außen- minister Dino Grandi ein prinzipieller Gegner ideologischer Allianzen in außenpolitischen Fragen und machte sich über die fantasmi e fantocci lustig, die sich um Mussolini als Papa dell’antidemocrazia sammelten22. Giacinto Au- riti, der langjährige Gesandte in Wien, hatte schon 1928 betont: Was den Fa- schismus betrifft, so ist es allgemein bekannt, dass in diesem Land niemand den Kern begriffen hat; für die Gegner und die selbst ernannten Bewunderer ist es nicht mehr als ein „reaktionäres“ Regime; das Integral entgeht ihnen völlig.23 1931 berichtete dann der Innsbrucker Konsul über eine Heimwehrkundgebung, die meisten Teilnehmer seien für den Faschismus, doch ohne zu wissen, was er ist – auch wenn im Zeichen der Wirtschaftskrise diesmal mehr die gesellschaftspoliti- sche Komponente im Vordergrund stand: Sie betrachteten es als eine Möglichkeit für einen Ausgleich zwischen Reichen und Armen.24 21 Üblicherweise ist in der Literatur von der einen knappen Mehrheit von bloß einer Stimme die Rede; de facto handelte es sich beim Kabinett Dollfuß jedoch um eine Minder- heitsregierung, die nur mit 80 bis 82 von 165 Abgeordneten rechnen konnte. Von den Man- dataren des Heimatblocks stimmten sechs mit der Regierung, zwei mit der Opposition. Gö- rings Schwager Hueber legte sein Mandat zurück – und ermöglichte dadurch der Regierung das Überleben; vgl. Höbelt, Provisorium 269 ff. 22 Vgl. Paolo Nello, Dino Grandi (Bologna 2003) 7, 92 f., 101. Das Tagebuch Grandis (Ar- chivio Storico del Ministero degli Affari Esteri (ASMAE) Carte Grandi, busta 16) enthält für seinen Wien-Besuch nur Reflexionen über den Untergang des Habsburgerreiches, kei- ne Details über seine Kontakte in Wien. Mussolini begann seine frühere Auffassung, der Faschismus sei kein Exportartikel, allerdings gerade in den Jahren 1930–32 im Sinne eines „universellen“ Auftrages zu modifizieren (Renzo De Felice, Mussolini il duce I, Gli anni del consenso, 1929–1936 (Torino 1974) 307 ff.). 23 DDI VII/6, 249 (26.4.1928). (Übers. d. Verf.) 24 ASMAE, Rappresentanze diplomatiche, Vienna 1862–1938, busta 306, F 2 (Heimweh- ren), Bericht vom 24.2.1931. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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